von Wolken und Wasser. . .

Autodachboot Himmelein junior

Die Alberich

 

Klick macht groß


Seit meiner Scheidung und dem anschließenden „Rück“-umzug ins Rheinland, war ich lange boot- und kapitallos unterwegs, aber das Wasser lässt einen ja niemals los. Im Kleinanzeigenteil von ebay träumte ich daher immer von den vielen schönen Booten, die mir ausgerechnet zu dieser Zeit alle wirklich sehr preiswert erschienen, aber dennoch völlig jenseits meiner Möglichkeiten lagen. Dann, im April 2013 stolperte ich jedoch über eine spannende Anzeige. Ein wirklich kleines, aber billiges Sportboot, und ich redete mir ein: „Mit Potential!“ Der Besitzer war eigentlich Modellbauer, und wenn das Böötchen eigentlich auch zum Einbau einer Fernlenkung geeignet war, wollte er sich doch davon trennen. Das Angebot bestand aus einem uralten, defekten 25PS "Erwin-Rudert", den man bestimmt wieder hinbekäme, (ein Zündfunke fehlte), einem durchaus brauchbaren Trailer und einem ~50 Jahren alten GFk-Boot. Alles zusammen zu einem äußerst erschwinglichen Kurs. Die Anzeige warb mit einer Moskito, aber das war leiglich der Name des Bootes und nicht der Typ, das konnte man ja schon an den Bildern erkennen, nein, es war ein "Himmelein" auf dem Wasser. Ein Himmelein Joy junior, Baujahr 1962, eines der ersten GFK-Boote aus Deutschland überhaupt.



Ok, Termin vereinbart und mal geschaut. Entgegen meiner Erwartung war das Boot in recht gutem Zustand, keine feuchte Grotte wie befürchtet. Gemessen am Alter, sogar in einem sehr guten Zustand. 3,00 m x 1,20 m, max. 23 PS, und durch den flachen Rumpf war es bestimmt auf glattem Wasser recht flott.

Da bei mir ja noch ein startklarer 30 PS Motor in der Küche hing, war der nicht laufende Evinrude – „Ur-Tec“ kein Ausschlusskriterium, da war mir der Trailer viel wichtiger.



Es sollte also der vorhandene Motor an das Boot. Die Begrenzung lag bei diesem 30er Johnson ohnehin eher am verfügbaren Prop, da überdrehte der Motor mit der größten vorhandenen Steigung jaschon bei ~45 km/h... Zur Auswahl standen mir zwar drei Propeller: 10x17, 10x15, 10x13 Aber er hing ja auch immer an größeren und schwereren Booten. Für dieses lütte Boot dürfte da selbst der „längste Gang“ viel kurz sein. Jedenfalls käme ich mit diesem Boot schnell auf das Wasser. Mit einer Pinne bedurfte es ja auch keiner langen Bastelarbeiten, da hängt man den Motor an den Spiegel und fertig... Die Saison rief mich schon recht laut und so schleppte ich sie nach Hause.



Auf den Trailer passte auch ein wesentlich längeres Boot drauf, die Lichtleiste lässt sich noch 1,70m ausziehen. Allerdings wird das Wachstum durch max. 400kg Nutzlast beschränkt. Nach dem Verkauf des C5 sollte dieser Trailer später der Amadahy (5,50 m), noch gute Dienste leisten...



Das Cockpit mit den pinken Zierstreifen und ein Blick ins trockene Heck.



Das Heck von außen mit der filigranen Seilzuglenkung, die prinzipiell überarbeitet und in sehr gutem Zustand war, der ich aber nicht mehr als 5PS zutrauen wollte...



Das Heck von innen, hier hatte hat der Voreigner tatsächlich schon ein Tunnelrohr für das Bugstrahlruder kostenlos reingepackt...



Es fehlt noch der Blick in den wirklich trockenen Bug:



Und natürlich das Motörchen , der Ur-Tec, der erst mal in die warme Küche kam:



Noch ein Bild von oben:



Ich Depp hatte bei der Abholung die Plane liegen lassen und mein Duschvorhang musste kurzfristig einspringen, aber am folgenden Tag gab es erst mal eine neue Billigplane, da war die Kleine wieder gut verpackt...



Aber als ich Beate dann zum Wochenende abholte, (sie wohnte da noch rund 40km weit weg), und sie das Boot noch nicht kannte, kam die Plane sofort wieder herunter und sie schloss die Kleine direkt in ihr Herz:




Wir mussten das ausgiebig feiern… Bald wieder auf dem Wasser!






Und wie wir so, wie die Engelein in diesem Himmelein saßen, strahlten wir um die Wette und fühlten uns in dem Boot wieder wie die kleinen Kinder. Die Proportionen von so einem UFO-Jet, einem Kinder-Karussell, hatte es, und das versetzte uns fast schlagartig in unsere Kindheit zurück. Wir suchten schon den Knopf am Armaturenbrett zum Feuern und den Hebel zum Abheben! Schon beim Probesitzen hatten wir Spaß ohne Ende, und das war lediglich zuhause im Hof.





Name und Design

Tja, wer kennt es nicht, das Problem mit dem Namen, die ersten Ideen beim Anblick des Himmelein waren:

  • I-Boat
  • Alberich
  • Zäpfchen
  • Free  will  i     (konnte ich mir im Orca-Design als ganz witzig vorstellen)
  • Prinz Eugen
  • Dicke Lippe II

Da man ja nicht ausschließen konnte, sich an einer Schleuse auch mal melden zu müssen, wurden einige Gedanken sofort verworfen...  „Hallo, hier ist „Zäpfchen“, dürfen wir noch schnell mit rein?“ hört sich schon irgendwie merkwürdig an, oder?. „Prinz Eugen“, ist ja als Schlachtkreuzer noch hinnehmbar, aber bei 3,00 m Länge? Es blieben also nur die beiden Obersten in der engeren Auswahl, mein Favorit war aber direkt:

"Alberich"

Das war auch wunderbar unabhängig vom späteren Design, welches ja auch nicht feststand. Würde auch zu einem Orca passen, könnte aber auch bei wiederhergestelltem Originaldesign gut verwendet werden. Außerdem würde der Rhein ja das Heimatrevier des Bootes, auch in dieser Hinsicht passte der Name. In erster Linie sollte die Alberich aber eine Hommage an Christine Urspruch sein, denn an den Zwergenkönig und Nibelungenschatzhüter… Kurzum, der Name stand eigentlich doch recht schnell fest, und eine passende, namensspezifische Schriftart fand sich auch...



An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Boote-Forum, das damals fast schon zu meiner Familie geworden war und den Usern, die mich zu dem Kauf beglückwünschten und natürlich herrlich über die Größe und die pinken Streifen frotzelten. Man beteiligte sich mit Designvorschlägen á la Hello Kitty und halloweentaugliche Haientwürfe. Aber es wurden auch viele Diskussionen ganz ernsthaft geführt. Da ging es auch um die exakten Maße und Planungen für die Sitze, wie z.B. billige gefederte Traktorsitze aus der Bucht...



Dann fiel die Entscheidung für das Orca-Design. Ein Originalzustand mit roter Hochglanz-Lackierung und cremefarbenen Kunstleder-Sitzen wäre eine viel aufwendigere und teurere Lösung gewesen. Geld war keins da, es musste daher alles zusammen im dreistelligen Bereich bleiben, (inklusive der Anschaffung, die hier schon den größten Teil verschlungen hatte, Trailer-TÜV, Anmeldung Zubehör, etc..) Finanziell konnte es daher wirklich

nur eine absolute Blitzrestauration werden Der "Orca" kam dem entgegen, denn er benötigte nur matten Lack aus der Sprühdose (5 Stück reichten) und etwas weiße bzw. schwarze Folie. Namen und Bootsnummer wurden, wie bisher bei allen meinen motorisierten Booten, aus 3M-Reflexfolie gemacht. Bei Anbruch der Dunkelheit durchaus auch ein Sicherheitsaspekt (Ich greife da mal etwas vor):




Also kein schleifen, spachteln, füllern und penible Lackierung, nein, dazu fehlte auch das richtige Werkzeug und ein geeigneter Hallenplatz. Schnell und dennoch hübsch die Farbe ändern, das Pink sollte überall verschwinden, das war der Plan. Und dann schnellstens auf das Wasser. ..



Also, demontiert und vorgearbeitet.



So, Oberschale fertig, aber noch abgeklebt



Mit entferntem Klebeband und montierter Scheibe




 

 





Und dann abschließend (fast) komplett mit Bodenbelag, Flagge und Johnny:




Übrigens: die das Wasser berührende Nationale deutet auch bei Sloepen traditionell an, dass man "hoheitliches" Recht beansprucht, ganz so, wie es einem Zwergenkönig auch zusteht!

Gut, es ist zwar keine Donzi geworden... , aber dafür war ich nach drei Tagen fertig!



Nochmal zur Erinnerung, wie es bei Abholung aussah:




Zum Motor:

Der Motor lief natürlich während der optischen Aufbereitung schon in der (neuen) Tonne. Er hatte ja fast zwei Jahre in der Küche gefaulenzt. (Toll, ich hatte keinen Schlauch und die Tonne musste mit 200 Liter Wasser aus dem Eimer befüllt werden. )



auch rückwärts alles in Ordnung.



Der Tonnenlauf ergab aber, dass der Motor noch drei Zentimeter höher musste, obwohl der Johnson Kurzschaft schon kürzer war, als der alte Evinrude Kurzschaft. Das lag hier aber an der Spiegelkonstruktion. Wenn der Motor auflag, konnte ich nicht mal die Knebelschrauben richtig anziehen.

Die Spiegelbefestigung war laut Hersteller massiv verstärkt und wenn man dagegen klopfte, kam es einem wie eine massive Mauer vor. Selbst in dem Bereich, in dem ich den "Relingsfuss" montiert hatte war das Gfk über 1cm stark und hörte sich schon eher nach Stahlbeton an... Spaß beiseite, das Gewicht des Motors war wirklich kein Problem der Stabilität des Spiegels. Aber ich musste mich auf die Klemmschrauben und einem zusätzlichen engen Lasching als Sicherung verlassen, denn ein Verbolzen des Motors am Spiegel war nicht möglich, da die Bohrungen so knapp am Halteblechwinkel saßen, dass man dort keine Mutter hin bekommen konnte. Die Knebelschrauben hatte ich mittels Temperatur und zusätzlichen Zwingen beim Anziehen vorgespannt, dass ein Lösen auf dem Wasser nahezu ausgeschlossen war. Die Knebelschrauben wurden gegen ein Lösen noch gesichert und beim Landtransport wurde der Motor zusätzlich durch einen Gurt gesichert, das ging durch die Stahlausleger für die Seilzuglenkung sehr gut.


Die Taufe

Dann kam auch schon die Wiederwasserung nach fast 15 Jahren und Beate hielt eine schöne Taufrede… :



Wir hatten uns wegen der besseren Slipmöglichkeiten, doch für den Rhein bei Lahnstein entschieden. Trotz recht hohem Wasserstand, heftiger Strömung und kräftigem Verkehr wollten wir die Kleine hier taufen und probefahren..



Denn nur so weiß man ja dann auch, was man von dem Boot halten kann.




Ich war begeistert, die geringe Länge und der flache Rumpf ließ es nicht vermuten. In einem großem Bereich fuhr die Alberich überraschend weich! Wenn man es natürlich übertrieb und abhob, war die Landung im hinteren Drittel naturgemäß recht hart. Aber etwas vorausschauend gefahren, war das absolut beherrschbar. Aber auch in kleinster Gleitfahrt fuhr sie prima durch die Wellen von drei begegnenden Frachtern, man musste nicht völlig in Verdrängerfahrt fallen, um das "Knallen" zu verhindern.




Beim Schaukeln ohne Fahrt war kein Wasserübernehmen zu befürchten. Das Aufstoppen allerdings war durch die starke Hecklastigkeit gewöhnungsbedürftig, (schwerer Motor und meine Wenigkeit an der Pinne). Fuhr ich alleine, ging es noch recht gut, ich rutschte dann etwas nach vorne und die Heckwelle hob das Boot schnell genug an, bevor sie auf das Boot auflief. Zu zweit aber sackte das Heck nach dem Gaswegnehmen tief ins Wasser und die Heckwelle türmte sich etwa 20 cm höher als das Heck auf. Das ergab ein mulmiges Gefühl, man konnte nur mit einem Gasstoß vor der Welle fliehen und sich dann nach rechts oder links aus der "Gefahrenzone" bringen, bevor einen die eigene Heckwelle flutete.

Wie ich es mir schon gedacht hatte, überdrehte der Johnni schnell mit der montierten Schraube, ein Standard Alupropeller 10x17. Und in engen Kurven zog er durch die Anbauhöhe direkt Luft. Leichtes Gaswegnehmen und den Radius vergrößern, stellte den Grip aber direkt wieder her, man musste also nicht neu anfahren.  

Die Beschleunigung war für einen 30PS Motor absolut genial. Im Bug waren stets ein mind. 1/2 voller 23 l Tank  und 25kg Sandballast, denn das war bei Alleinfahrt und auch schon beim Trailern absolut unverzichtbar. Fuhr ich alleine im Boot, richtete sich der Bug so nur äußerst kurz auf und schon plante man übers Wasser. Das Boot sprang also mit einem Gesamtgewicht von rund 268kg und 30PS geradezu aus dem Wasser.  

Ok, das musste ja aber gar nicht so sein, die Beschleunigung konnte und durfte sehr gerne noch etwas zu Gunsten der Höchstgeschwindigkeit leiden.  

Da ging doch noch was. Ich wollte Chris, alias "Oma", (ein ehemaliger, mit Rennbooten erfahrener User aus dem "alten" boote-forum, dem ich auch die perfekte Abstimmung der Pearl verdanken durfte), noch um einen umfangreichen Edelstahl-Propellertest bitten ....   

Aber ich musste doch zuerst nochmal an die Optik und hatte die Seitenlinie, die vorher ja abrupt mit der Rammschutzleiste abschloss, nochmal etwas verfeinert, das sah dann auch wirklich viel harmonischer aus…




Geschwindigkeitsmessung während der Taufe: mit dem 10x17 Alu Standard-Propeller, mit Sandsack & Tank im Bug und 2 Personen auf der Lahnmündung bei ca. 2 km/h Strömung zeigte das GPS bei maximal 300 m Anlauf 48,9 km (also echte 46,9 km/h) an. Dieser Max-Wert kam mit 2er Besatzung und dem schon o.a. Sandballast (noch völlig ungetrimmt) auf der Lahnmündung, (glattes Wasser, kaum Strömung), mit recht nass laufendem Bug zustande und ließ durchaus Entwicklungspotential erahnen... 





Dann hatte ich aus Blödsinn auch mal einen etwas anderen Propeller besorgt, einen wahren

Hai-Performance-Propeller: 

ein 3-Blatt Oberflächenpropeller, einen Signature 11 1/4 x 18 Cleaver



Mit dem richtigen Hub Kit XHS 118 von Gröver passte er später auch einigermaßen an den Johnson, obwohl einige Maße schon zeigten, dass er für so einen Motor eigentlich doch nicht gedacht ist.  



Jedenfalls stand mir nun ein weiterer Propeller zur Auswahl, ob der Motor den wohl gedreht bekäme?



Am WE nach der Jungfernfahrt hatten wir dann erst mal mit Trimm und Gewichten gespielt: Sandsack raus aus dem Bug, voller Tank nach hinten, 2 Personen. Ohne Fahrt lag die Rammschutzleiste so bereits ~6cm unter Wasser. Der Wechsel zur Gleitfahrt war eher ein Mutprobe, aber ging dann doch. Der Bug stampfte, der Propeller zog im gleichen Rhythmus Luft, die Lage war nicht so schön, hohe Geschwindigkeit gar nicht zu erreichen, da Vollast nicht möglich war. Ergo unfahrbar. Beim Wechsel in Verdrängerfahrt durfte dann die entscheidende 90°-Kurve auf keinen Fall vergessen werden, sonst wäre die riesige auflaufende Heckwelle bei diesem Gewichtstrimm wirklich direkt ins Boot gekommen und Alberich auf Grund gegangen. Fazit: Unfahrbar.



Also,  an der Haifischbar in Lahnstein den Tank wieder nach vorne gepackt, dann den Sandsack wieder ins Boot geholt und im Bug vor dem Tank plaziert. Auf einer ruhigen Stelle auf dem Rhein Richtung Koblenz erreichten wir dann:



Eine Verbesserung? Nöö nicht wirklich. Zieht man von 54,7 km/h nun 6 km/h Strömung ab, hatten wir echte 48,7 km/h. Aber dieses Mal fehlten einige U/min, da überdrehte nichts mehr...

Gut, dann hatte ich mal bei unverändertem Gewichtstrim und alleine im Boot, den Trimmbolzen ein Loch höher gesteckt. Ergebnis: der Propeller zog permanent Luft, jetzt aber auch schon beim Beschleunigen, Boot stampfte enorm, logisch, die Schubverhältnisse pulsierten, was sollte Alberich da auch machen... Fazit: Erneut unfahrbar.

Ein bisschen habe ich natürlich schon gespielt und Alberich ließ sich fahren, allerdnings nicht so wie ich das wirklich wollte. Natürlich hatte ich recht hohe Ansprüche und wollte mich auch bei diesem kleinen Boot nicht so früh unterkriegen lassen, seht selbst:



Schon Oma hatte mir ja direkt keine Hoffnung gemacht. Weder wäre a) ein Passender gebraucht zu finden, noch sah er b) eine Chance, ohne Powertrim damit vernünftig zu fahren. Im Netz hatte ich ja gelesen, dass ein Cleaver nur bei hohen Drehzahlen vernünftig liefe, dass so etwas eher an großen (langen) Booten vernünftig liefe und dass er dann meist als Vierblatt gefahren würde, da dies mehr sternlift verspräche, ja, aber die Erfahrung wollte und musste ich dann doch selbst machen.

Alles keine guten Voraussetzungen mit meinem schwachen Motörchen, mit zu niedriger Drehzahl (5.200-5.500 U/min), mit viel zu langer Übersetzung von 2,15 und auch ohne Powertrim....

Eine sehr schöne und verständliche englische Textpassage über Propellertheorie, im besonderen über sternlift und bowlift war mir bei der Suche auch über den Weg gelaufen und die möchte ich euch nicht vorenthalten: 

continousWave: Propeller Basics: Bow Lift and Stern Lift

Aber warum dann trotzdem dieser Cleaver? Nun:  

1) Weil er damals eben gerade verfügbar war und als 11 1/4 x 18 tatsächlich auf den Johnni passte. (Danke an Thorsten!)

2) Weil Zapcats damit ja auch laufen und das selbst im mittleren Geschwindigkeitsbereich. Wenn diese dann aber in richtig hohe Geschwindigkeitsbereiche vordringen, erreichen sie mit kürzeren Übersetzungen und sehr hohen Drehzahlen auch so hohe Geschwindigkeiten, die ich mir bei Alberich aber gar nicht vorstellen wollte.

3) Weil Alberich keinen V-Rumpf sondern einen "Tunnelrumpf" hatte. Nicht so stark ausgeprägt wie ein Katamaran, aber dennoch so stark, dass im halbrunden Kielbereich eine Menge Luft an den Prop geleitet wurde und deshalb unbedingt ein Propeller her musste, der mit Luft auch "umgehen" konnte. Die meisten Negativaussagen die ich im Netz finden konnte, bezogen sich aber immer nur auf Boote mit konventionellem V-Kiel und meist auch auf Stufenrümpfe, die aber letztlich ebenfalls nur V-Rümpfe sind.


(ist leider das beste Foto was ich so vom Heck habe )


4) Weil der klassische Griff zu einem Edelstahlpropeller, wie z.B. einem Laser II oder ähnliche, zwar das Problem der angesaugten Luft lösen würde, aber kontraproduktiv durch den ausgeprägten Bowlift wirken würde. Trotz einem vollen Tank im Bug, war das Boot ja nur mit einem zusätzlichen 25 kg Sandsack ganz vorne im Bug auch zu zweit fahrbar. Das hieße dann, bei einem Propeller mit kräftigem Bowlift, hätte ich das Bootsgewicht durch noch mehr zusätzlichen Ballast im Bug erhöhen müssen, um dadurch schneller zu werden. Das wäre ja völlig absurd gewesen. Das Problem lag einfach an den Gewichtsverhältnissen, aber ein Umbau auf Frontantrieb hielt ich damals für weitaus gewagter, als das Experiment mit dem Cleaver ....

5) Kann niemand vorher wirklich genau sagen, wie ein Propeller tatsächlich an einem bestimmten Boot läuft.... es sei denn, er hat das schon mal probiert. Bei einem Booteigengewicht von nur 65kg war es ja nur fahrbar bei dieser Verteilung: Der Motor im Heck 55kg, meiner einer, also 102 kg auch im Heck (Pinne), Sandsack 25kg und Tank 25kg vorne. Der Motor war einfach für das schmale und im Heck flache Boot schon sehr schwer und jeder Bowlift war damit einfach nicht erwünscht. Zapcats aber kämpfen mit ähnlichen Problemen bei Bootseigengewicht und Gewichtstrimm, bei proportional vergleichbaren Längen. Da "funktionieren" Cleaver eigentlich recht gut. Und bei ruppigen Verhältnissen bewegen sich die Propellerdrehzahlen beim Zapcat auch in dem Bereich, den ich bei ruhigem Wasser mit der Alberich erreichen wollte.

6) Würde ich den Cleaver selbst dann noch dranlassen, wenn er nicht zu einer höheren Geschwindigkeit in der Lage wäre, aber wenigstens ein süßes Roostertail produziert. Dann sähe sie ja  wenigstens wesentlich schneller aus....

7) Weil ich überzeugt war, dass jeder sternlift gut für dieses Boot wäre. Sicher müsste man dann auch bestimmt das Setup feinjustieren, es könnte aber doch ein tolle Sache werden, mit dem "Hackebeil".... 

8) Weil der Cleaver an der Sliprampe immer für ungläubige Gewsichter bei den etwas erfahreneren Bootfahrern gesorgt hat...

Als ich die washer-Scheibe des anderen Props drunter liess, passte er eigentlich ideal an den Motor. 



Sauberer Abstand zum Getriebegehäuse: 



... nur war die Kronenmutter lediglich ohne die Hartplastikunterlage des Originalpropellers zu montieren, aber diese ist war auch nur dazu da, um das letzte Stück der verzahnten Welle zu bedecken, die jetzt komplett in der Propellernabe saß. Problematischer war dagegen, dass die Kronenmutter nur falsch herum drauf passte....  



Der gesunde Menschenverstand sagte mir aber bei nüchterner Betrachtung:

  • Die Mutter bekommt ja über alle vorhandenen Gewindegänge Halt.
  • Lösen könnte sich die Mutter doch nur, wenn der Splint komplett abgeschoren würde und das wäre auch bei umgedrehter Montage der Fall.
  • Ich fuhr ohnehin fast nur vorwärts.... 

Welche anderen Varianten wären denn möglich?

  • Zwei fest gekonterte, flache Muttern ohne Splint.
  • Sichern mit Loctite, (ggf. zusätzlich zum Momentanstatus).
  • Eine selbstsichernde Mutter, auch ohne Splint.
  • Den Propeller getriebeseitig kürzen. 

Auch hatte ich entschieden, der "Spiegel" müsste ca. 15 cm höher werden. Einmal 11cm, weil der Motor so hoch musste und nochmals 4 cm wegen der bereits verwendeten Unterlage.  

Meiner Theorie zufolge, würde mir etwas Drehzahl fehlen und bei glattem Wasser vielleicht gar nur wieder die alten Werte erreicht. Vielleicht ein paar kurzfristige Geschwindigkeitsspitzen, wenn die Wellen exakt passen.  

So ging es also zum weiteren testen an die Mosel.



... erst aber musste ich noch kurz auf der Arbeit vorbei...




Variante A


Sandsack und voller Tank im Bug, sowie meine Wenigkeit allein, Trim im ersten Loch:
 

Beschleunigung kräftig ohne jegliche Anfangs-Kavitation, strömungsbereinigt hatte ich nichts gewonnen, ca. 0,2 km/h. Das ist lediglich im Bereich Messtoleranz. Allerdings wurde die Drehzahlgrenze noch nicht erreicht, es fehlten rund 500 U/min. Klasse war das Verhalten in der Kurve, gerade die Kavitation sorgte hier für guten Grip. (Absurd, nicht wahr?) Durch die fehlende Seitenneigung traute man sich kaum Vollgas zu geben, die Fliehkräfte wurden dann recht extrem und durch den fehlenden Seitenhalt (keine Sitze) war das stark gewöhnungsbedürftig...  




Variante B


Sandsack und voller Tank im Bug, sowie meine Wenigkeit allein, Trim im zweiten Loch:

Beschleunigung anfangs sehr schwach, das Boot richtete sich steil auf, der Übergang zur Gleitfahrt gestaltete sich komplizierter. Man musste das Gewicht nach vorne verlagern und mit einer sensiblen Gashand ein Überdrehen des Motors verhindern, da die Schraube nun stark kavitierte. Hatte man Gleitfahrt erreicht, stimmt der Grip und die Beschleunigung. Im mittleren Drehzahlbereich (rund 35-42 km/h) wippte das Boot, zog sich aber bei Vollgas direkt gerade und strömungsbereinigt hatte ich etwas gewonnen, ca. 1,1-1,3 km/h.

Allerdings war full throttle ohne Lenkungsdämpfer sehr kraftintensiv und bedurfte auch einiger Erfahrung und schnellen Reaktionen an der Pinne. Auch bei diesem Test wurde die Drehzahlgrenze immer noch nicht erreicht. Durch höhere Anbauhöhe wären bestimmt noch 3-5km/h mehr auf einem Ententeich möglich. 




Variante C

Sandsack und voller Tank im Bug, alles mögliche Geraffel (Handtasche, Kühltasche, Rucksack), 2 köpfige Crew, Trim im zweiten Loch: 

Beschleunigung so lala, der Übergang zur Gleitfahrt war von leichter Kavitation geprägt, war aber durch Pumpen mit dem Gas leicht zu kontrollieren. Das Boot wippte etwas, fühlte sich aber durchgängig nervös an, die Kurvenfahrt war diesesmal dagegen recht ausgeglichen. Die Drehzahl hatte aber noch weiter nachgelassen, ebenso die Geschwindigkeit, Verlust gegenüber Alu ca. 4,0 km/h.



Hier könnt ihr die Beladung etwa abschätzen, da kam dann mein Gewicht ja noch dazu...




Variante D

Sandsack und voller Tank im Bug, alles  mögliche Geraffel (Handtasche, Kühltasche, Rucksack), 2 köpfige Crew, Trim im ersten Loch:

Fantastische Beschleunigung, keinerlei Kavitation, klasse Kurvenfahrt, die Alberich lag nun sehr ruhig. Allerdings verlangte auch hier die Pinne nach einer sehr kräftigen Hand. Der Propeller lief auch nicht so "rund" wie der Alu und zudem war er gegenüber dem Alu fast 2 km/h langsamer.  

Zusammenfassung:

Die Vorhersagen von Oma und anderen waren bei der Alberich absolut nachvollziehbar. Es fehlte einfach der Powertrim. So war auch der Umbau auf eine höhere Motorhalterung (Austausch der Minispiegelplatte) nicht wirklich sinnvoll. Das wäre dann ein Extremsetup, welches im zweiten Trimmloch mit höherem Anbau nur für Alleinfahrt gut wäre, und man gewänne nur ein paar km/h. Zu zweit mit etwas Gepäck, (für die Jause), wäre das dann wiederum suboptimal, weil fast unfahrbar. Ein Wechsel auf den Alu für Touren, wäre dann aber durch den hohen Motoranbau gar nicht mehr möglich, er würde permanent Luft ziehen. Zur Anpassung an 1-Kopf / 2-Kopf-Crew bräuchte man dann schon einen (mechanischen) Lift. Setback wäre dagegen wieder unerwünscht, man möchte ja die unkonventionelle Spiegelkonstruktion nicht noch weiter belasten und auch die Belastung auf dem Trailer, würde so noch zunehmen.  

Hinzu kommt das konstruktiv viel zu niedrige Drehzahlniveau des Motors. Diese geringe Motordrehzahl, bei gleichzeitig langer Übersetzung, waren für diesen Propeller wirklich ungeeignet. 

Aufgefallen ist mir bei der Fahrt durch den Hafen, dass der Prop bei niedriger Drehzahl ganz schön den Motor schüttelte. Eine Kontrolle ergab ein radiales Spiel des Props auf der Welle, das axiales Spiel lag dagegen bei absolut 0.  Ich vermutete daher das Spiel im HUB-Kit.

Das Wichtigste:

In keinem Fahrzustand, in keiner Trimmposition zeigte sich ein auch noch so kleines Roostertail. Leider! Die Form des (mittleren) Schraubenwassers war zwar bei rund 45 km/h sehr hübsch , es bildete sich zunächst eine 4 m lange konkave Kuhle von ~30cm und türmte sich bei Höchstfahrt etwa 7m hinter dem Boot auf ca. 1,0m sehr spitz auf. Aber das reichte mir halt nicht....  

Das Boot lief prinzipiell sehr nass und warf etwa ab der Bootsmitte ein völlig ungewöhnliches Heckwasserbild. Wie eine schnell durch das Wasser gezogene Badewanne. Das Heckwasser erinnerte eher an eine auslaufende Zerstörerbugwelle. In Parallelfahrt von rund 1,5m zu einem anderen Boot, (bei ~40km/h), könnte man dieses binnen kürzester Zeit komplett fluten. (Dies hatte ich auf der Mosel bei einem befreundeten Schlauchifahrer verifizieren können...) Allerdings funzt das natürlich auch mit dem Alu-Propeller.  

Durch diese "Heckwelle" müsste ein Roostertail schon sehr groß sein, um überhaupt aufzufallen und dafür fehlte es letztlich schlicht an der schieren Leistung. Noch ein paar Impressionen der besonderen Heckwellenform:






Fazit:

Es war nicht sinnvoll, den Einsatzbereich noch weiter zu begrenzen und das Setup des Bötchens völlig einseitig auf Speed auszurichten. Eine nette Spielerei, die aber mangels Rauhwasserperformance nur auf dem Ententeich funktionieren würde. Und wenn ich im Zusammenhang mit der Alberich von Ententeich rede, dann meine ich auch wirklich Ententeich. 

Was dann eigentlich weiter geschehen sollte:

Da meine Herzdame mittlerweile so einen enormen Spaß am Bootfahren und gerade auch an der Alberich gefunden hatte, sollte die Alberich dann auf sie maßgeschneidert werden.



Zunächst käme also wieder der Aluprop drauf und zur Verhinderung der Kurvenkavitation käme der Motor 1,5cm nach unten. Dann würde schnellstmöglich der 30er Johnni mit Pinne durch meinen, (ideal zum Baujahr des Bootes passenden),  ´62er  WestBend Silver Shark twelve hp ersetzt. Er war ja schon für Ferngas und -schaltung vorbereitet leicht nachzurüsten. Nach der Überarbeitung von Benzinpumpe, Impellertausch, sowie neuer Vergaserabdichtung sollte er wieder wie am ersten Tag laufen, hatte er doch so gut wie keine Betriebsstunden.





Die Seilzuglenkung war putzig, würde dann aber einer modernen Teleflex weichen. Wenn dann vorne ein bequemer Sitz und hinten eine bequeme Sitzbank eingebaut wären, dürfte auch der Sandsack obsolet sein und sich ein ein ausgewogener Gewichtstrim allein durch den Bugtank einstellen. Das Boot würde ja im Ganzen um >45kg leichter, das sind Welten für dieses Boot! So wäre es dann auf Gemütlichkeit und Sicherheit abgestimmt.

Noch ein Filmchen…


Entschuldigt bitte den Soundtrack, ich habe damals mit gefühlten 70 verschiedenen Einstellungen (8-Bit, 16-Bit, alle möglichen Abtastraten, Mono / Stereo, unterschiedl. Kompr.Verfahren) versucht, die mp3 Datei sauber zu hinterlegen, aber ich scheine nicht die richtige Abtastrate gewählt zu haben…   Bild und Tonqualität empfinde ich jedenfalls schlicht als katastrophal.
Wir unternahmen noch einige Touren auf Rhein und Lahn, und egal wo die Alberich auftauchte und Kinder in der Nähe waren, wurden Eltern zum Wasser gezerrt und man sah ausschließlich fröhliche und winkende Passanten.
Hier, bei dem Boot von Greenpeace fühlte sich unsere kleine Walfischdame tatsächlich besonders wohl und beschützt...


Aber die erneuten Umbaupläne mussten wir aufgeben, denn im Oktober 2015 hatte ich sie dann aus diversen Gründen verkauft. Zwar hätte ich sie aber exakt 2 Jahre später fast wieder zurückgekauft, leider scheiterte dies aber am ..., äh, ..., unsympathisch auftretenden Verkäufer...

Heute würde ich daraus eine führerscheinfreie, aber elektrisch angetriebene Alberich machen. Natürlich mit richtiger Lenkung, Ferngas und als Gleiter ausgelegt.


Jedenfalls fehlt uns heute die Alberich doch sehr!