von Wolken und Wasser. . .

Liquid selbst mischen

Ein ewiges, weil permanentes Projekt. Immer sucht man noch die richtige Kombination, das perfekte Allday. Aber kann man irgendetwas immer dampfen? Prinzipiell ja, man rauchte ja auch immer eine Marke und wechselte selten, oder? Beim Dampfen ist das etwas völlig anderes. Man beginnt mit der Suche nach einem authentischen Aroma um Zigaretten absolut authentisch nachzuahmen und...

Mann scheitert! Frau übrigens auch.

Warum?

Das ist schnell erklärt. Dampf ist kein Rauch. Das Typische am Rauch läßt sich mit Dampf eben nicht simulieren. Dabei stört schon die latent immer etwas vorhandene Süße. Dafür gibt es eine völlig neue (Geschmacks-) Welt und man bekommt sein Nikotin.


Warum also selbst mischen?

Auf dem Liquidmarkt tummeln sich ~7.000 unterschiedliche Liquids und viele davon sind anfangs genial und nach kurzer Zeit nicht mehr dampfbar. Zu intensive Aromen nehmen einem die Dauerlust. Wie bei einem leckeren und sehr süßen Dessert: Dann und wann ein kleines Töpfchen ist sehr lecker, aber wenn ich mich davon ernähren soll, überkommt mich bereits am zweiten Tag der Brechreiz.

Oft wird dann wild gewechselt und man testet sich so durch die Wolken. Nach und nach findet man bei diversen Herstellern immer mal wieder das eine oder andere Liquid, welches man dann durchaus lange dampfen kann, aber Vorsicht: Man kann sich an diversen starken Aromen auch so sattdampfen, dass sie danach gar nicht mehr gehen. Als Abhilfe wird dann immer mal gerne ein Reset mit Menthol empfohlen oder aber auch pure Base...

Schnell wird einem klar: Liquidmischen ist eine Kunst, nur vergleichbar mit Kochen. Und nicht jeder Koch schmeckt allen. Daher halte ich auch Geschmacksempfehlungen als ziemlich an der Sache vorbei. Erzählen mir 10 Dampfer unabhängig voneinander, wie lecker ein Liquid ist, dann kann mir das auch schmecken, das muss es aber nicht. Es können einem dagegen auch Liquids schmecken, bei denen man nie geglaubt hat, das einem überhaupt diese Richtung liegen könnte.

Der Ausweg aus der Misere: Man fängt an selbst zu mischen und kann so das ideale Liquid für sich selbst kreieren. Jenseits der Aromen hat man dann auch alle Freiheiten um das Liquid auf hart oder sanft, dichte Wolke oder Stealth, Aussen- oder Innentemperatur, viel oder wenig Nikotin (je nach Leistung und Zweck) abzustimmen und zu experimentieren.

Mischen ist nicht schwer und auch trotz der TPD2 immer noch finanziell lohnend. Allerdings sollte man den Dreisatz sicher beherrschen oder einen Liquidrechner benutzen. Ebenso ist etwas Laborerfahrung (Grundlagen) sowie Sauberkeit, Ordnung, Hygiene und eine exakte Arbeitsweise hilfreich, bzw. unabdingbar.



Was braucht man dazu ?

Zunächst einmal die Basen und Rohstoffe:

  • PG,  das ist 1,2 Propylenglykol (auch 1,2 Propandiol genannt), verwende ich in ausschliesslich DAB Qualität. (DAB steht für hier für eine Reinheit gemäß den Richtlinien des Deutschen Arzneibuches). Eine Chemikalie, die weit verbreitet verwendet wird. Ebenso wie VG wird es  in vielen Produkten der Lebensmittelindustrie, in Kosmetik, Zahnpasta, Kaugummi, medizinischen Produkten, aber auch in Tabakwaren und professionellen Nebelmaschinen eingesetzt. Es ist in großen Gebinden wie z.B. 5 Liter, 10 Liter, 25 Liter sehr preiswert in jedem Land- Pferdehandel als Futtermittelergänzungsprodukt zu erwerben. Gut für unsere Dampferzwecke sind seine antibakteriellen Eigenschaften und die leicht geschmacksverstärkende Wirkung im Liquid.
  • VG, das steht für vegetable glycerin, also Glycerin mit der chemischen Bezeichnung Propan-1,2,3-triol aus pflanzlicher Herkunft. In DAB-Qualität mit verschiedenem Wassergehalt erhältlich, ich bevorzuge 99,5% Reinheit, Wasser mische ich mir, wenn erwünscht, selbst zu (demineralisiert). Für die Verwendung und den Bezug siehe unter PG.
  • PEG 400 steht für Polyethylenglykol, damit habe ich noch nicht gearbeitet und es bisher auch nicht gedampft. Die Vorteile erschließen sich mir schon theoretisch nicht und ich bin mit meiner PG Base sehr zufrieden.
  • Die Nikotinbase. Glückliche Dampfer der fühen Ära, haben kommen sehen, was kam: die TPD2. Da wurde vorher aber gebunkert! Man erwarb üblicherweise in 1000 ml Gebinden (Glas oder Kunststoff) Basen mit bis zu 72mg/ml auf dem deutschen Markt. Gängig waren 36 mg/ml & 48 mg/ml. So "richtig legal" waren aber auch damals schon wohl nur maximal 36g/ml. Sei es drum, einige hardcore-Dampfer haben sich Läger eingerichtet die für die nächsten 30-100 Jahre ausreichen sollten. In PG gelöst und dunkel gelagert, hält sich dieses Nikotin ohnehin fast unbegrenzt. Nun sind nur noch nikotinhaltige Basen in max. 10 ml und max. 20mg legal verfügbar. Eine völlig unverständliche Sache, alleine die Tatsache, dass ich für die gleiche Menge einer 1-Liter Glasflasche mit 36 mg/ml, also absolut 36g Nikotin heute 180 kleine 10ml Kunststofffläschen nebst Sicherheitsetikett, Beipackzettel und Kindersicherung kaufen muss, grenzt, mit Verlaub, schon an Schizophrenie. Willkommen in Absurdistan. ( Gerade bei Berücksichtigung der aktuellen Politik-Meinung: "Weg vom Kunststoffmüll!". )

 

Basen in 5.000 ml und 1.000 ml


praktisch für das Umfüllen aus Kanistern, ein "Ölwechsel-Set" für Rasenmäher


  •  Die Aromen Eigentlich sind alle Lebensmittelaromen dampfgeeignet, sofern sie nur ätherische und keine fetten Öle enthalten. (Von eigenen Extraktionen rate ich ausdrücklich ab, hierzu bedarf es eines fundierten Fachwissens und man benötigt auch eine recht hochwertige Ausrüstung.) Gezuckert sollten sie auch nicht sei, es bringt keinerlei Süße im Dampf, aber die Coils verkrusten extrem schnell. Ein paar gute Grundaromen zum Mischen sind wertvoller, als die "hochlegierten" Modearomen. Hier gibt es einige Hersteller die eine wunderbare und konstante Qualität liefern. Diese werden dafür auch meist recht niedrig angemischt, als Einzelaromen bis max. 3%. Viele amerikanische Aromen (von denen es auch sehr leckere, fertige Kompositionen gibt), wollen dagegen mit 8-10% manche gar mit 13-15% angemischt werden. Meist sind das nicht mal die billigsten Aromen... Sehr vielversprechend auch, der Einsatz von hochwertigen, (möglichst nicht mit Zuckercouleur gefärbten), Spirituosen, als vollwertiges Aroma mit 10-15% dosiert. Den Alkoholanteil kann man durch flambieren senken, sofern man das wünscht.

 

Aromen, Gefrieretiketten, Rezepte und selten benötigte Grundbasen

 

  • Die Farbstoffe. Kommen bei mir nicht ins Liquid, da man sie weder für den Geschmack, noch zur Nikotinbefriedigung braucht, sie sind nur für die Optik und damit ein völlig unnötiger Inhaltsstoff für Liquids. Was ich nicht brauche, muss ich mir auch nicht in die Lunge pfeifen...
  • Das Wasser. Da kann man natürlich auch einfaches, gutes Trinkwasser nehmen, ich nehme demineralisiertes H2O, weil ich bei den geringen Aromenkonzentrationen davon ausgehe, dass man Geschmacksänderungen schon durch die gelösten Mineralien erhalten kann. So, als ob man Kaffeee oder Tee mit Mineralwasser kocht. Aber richtige Vergleichstestreihen habe ich dazu nicht aufgestellt. Und die ganz pingeligen können das Aqua dest. vor dem Mischen auch noch durch abkochen keimfrei machen.
  • Der Alkohol. Ist eigentlich nur Fließverbesserer und dezenter Geschmacksverstärker bei hohem VG Anteil. Auch hier sollte auf eine hohe Qualität geachtet werden. (Apotheke oder eben die o.a. edlen Spirituosen wie z.B. hochreiner Wodka.)


Kommen wir zur Grundausstattung:


  • Um die Rohstoffe in den gewünschten Mengen problemlos handhaben zu können, empfiehlt es sich, vorab für eine entsprechende Abfüllung in Literflaschen zu sorgen. Ein 15 Liter Kanister ist wirklich recht unhandlich, wenn ich nur 250ml anmischen will.
  • Wir brauchen auch einen oder mehrere ausreichend große Mischbehälter. Das können Bechergläser oder Erlenmeyerkolben sein, ich kann aber auch direkt in die vorgesehen Flasche abmessen.
  • Das Wasser kann in eine gewöhnlich Spritzflasche und die Aromen kommen ja ohnehin handelsüblich in 10ml, 13 ml oder ähnlich. Will man nur kleine Mengen anmischen, muss man für entsprechend exaktes Arbeiten dann auch die richtigen Utensilien benutzen.
  • Oft sind Trichter in diversen (kleinen) Größen hilfreich.
  • Zum Mischen der richtigen Mengen gibt es 2 Verfahren: Man kann die Zutaten abmessen (Volumen) oder abwiegen (Gewicht). Beides hat seine Vor- und Nachteile und darf daher  als reine Geschmacksfrage frei zur Wahl gestellt werden. Die im Kapitel verlinkten Liquidrechner beherrschen auch beide Verfahren und arbeiten auch bei der Umrechnung mit dem richtigen spezifischen Gewicht. Ich messe für meine Liquids ab, das geht recht flott und auch ausreichend exakt. Dazu verwende ich einen 100ml Messzylinder aus Borosilikatglas der Genauigkeitsklasse B, hohe Form. Erworben habe ich diesen bei einem regionalen Labor- und Lehrmittelvertrieb. Ferner besitze ich noch eine ganze Handvoll Glaspipetten der gleichen Genauigkeitsklasse, sowie Einmalspritzen in 5ml, 10 ml. Für die Aromen verwende ich nur Insulinspritzen mit 1ml Volumen und feiner Skala. (Ein Wort zu den Einwegspritzen. Ich lese in Foren oft die Frage, ob diese Spritzen auch Mentholresistent sind. Aber, hey, das sind Einmalspritzen. Reinigen lohnt ohnehin nicht und so aggressiv sind unsere Aromen auch nicht.
  • Und natürlich braucht man die Flaschen, in die das Liquid gefüllt werden soll. Für unterwegs 10 ml bis max. 100ml Pullen aus PE, für zuhause zum Lagern schöne Glasflaschen oder auch hier Laborflaschen mit dichtem Verschluss oder mit geschliffenem Glasstopfen, ideal in Blau- oder Braunglas wegen der UV-Strahlung, die für das Niktion ja nicht so gut ist. Bei vielen großen Vollsortimentern bekommt man auch sehr hübsche Glaskaraffen oder Glasflaschen mit dichtem Verschluß oder Korken.

 

Als "Mitbringsel" für einen Freund..

 

  •  Das Wichtigste: Die Dokumentation der Eigenkreationen. Das kann eine Schmierkladde sein als Mischtagebuch oder als Logbuch sein. Ich mache so etwas über Excel, mit dem Vorteil, dass ich mein persönliches Urteil festhalten  und gleichzeitig meine Bestände festhalten kann.  Meine Liquids bekommen alle ein eigenes Label und auf der Rückseite ein Gefrieretikett mit genauer Zusammensetzung, also z.B.: 50/50 VG/PG, 4,5mg Nik., 1,5% Herrlan Walderdbeere, 0,25 % Herrlan Limone, 0,25 % Menthol aus Kristallen, ggf. Mischdatum. Das hört sich nach viel Aufwand an, ist aber bei richtiger Anlage schnell gepflegt und glaubt mir: Es gibt nichts schlimmeres als endlich das ultimatives Liquid zusammen zu brauen und  sich dann an das Rezept nicht mehr erinnern zu können!

 

Rezepte und Versuchsmischungen in 10ml...

 

Vorratsliste mit Dosierung und Geschmackserfahrungen


Schön-zu-haben:

  • Ein Magnetrührer. Ein Magnetrührer nimmt einem das Rühren ab. Diese gibt es mit oder auch ohne Heizung. Für Mengen bis 200ml eine nette Spielerei. (Da der Rührstab, ein kleiner, ummantelter Stabmagnet, ja nur durch ein rotierendes Magnetfeld oder einen zweiten rotierenden Magneten angetrieben wird, ist das Drehmoment eher gering. Daher sollte das VG auch mit mindestens 35°C gerührt werden, sonst ist bei größeren Mengen der Verlust an Geschwindigkeit und Wirkung eher frustrierend... Dafür kann man gute Laborgeräte aber auch stundenlang rühren lassen.) Ich habe aus einer Laborauflösung einen geräuschlosen und unbeheizten Magnetfeldrührer erworben, völlig ohne bewegte Teile, aber dafür absolut wasserdicht:


 

  • Ein Ultraschallbad. Ein einfach tolles Zubehör für das Reinigen von Verdampfern. (Vorsicht, nicht alles kann man ohne nachdenken ins USB werfen, z.B. die Basis des FeV sollte da nicht gereinigt werden!) Aber zum Mischen? Ja, einige Dampfer möchten so durch die schnelle und feine Vermischung mittels Ultraschall den Reifeprozess beschleunigen. Ebenso könnte man aber nun auch noch den Herd oder die Mikrowelle als "schön-zu-haben" anführen, da sich durch eine höhere Temperatur (~45°C) die Zutaten leichter vermischen lassen und wie bei Testreihen in der Industrie eine Art künstliche Alterung stattfindet. Dann noch etwas offen stehen lassen und man spart etwas Zeit… Nicht wirklich, aber dazu später mehr.

 

Es gibt viele sinnvolle Geräte für den Bereich Wiegen / Messen / Mischen / Abfüllen / Lagerung bei Laborausrüstern, da muss man sich einfach mal diue Zeit nehmen, (wenn man schon einige Erfahrung gesammelt hat), ein wenig zu stöbern was einem gefällt und vor allem, was in der persönlichen Preisliga erhältlich ist.

 

Wie mischt man?

Die Mengen:

Am Anfang, sollte man sich für eine der zwei gängigen Varianten des Mischens entscheiden und diese dann auch strikt zur Reproduzierbarkeit der eigenen Rezepte unbedingt beibehalten:


Variante I - Die mathematisch exakte Methode:

Man errechnet alle Zutaten auf den Bruchteil eines Milliliters genau, oder läßt sich dabei von einem Liquidrechner helfen, (zu finden unter Hintergrund / Nützliche Links). Da muss man dann alle Aromen als Zutat eingeben und erhält so exakte Mengenangaben (oder auch Gewichtsangaben) zum abmessen. Oft sind diese aber mit zwei Stellen hinter dem Komma selten genau so exakt zu mischen und rundet man dann beim Mischen entsprechend praxisgerecht, kommt man auch zu fast den gleichen leichte „ungefähr“-Tendenzen der Variante II. Streng nach diesem mathematischen System gearbeitet, erhalte ich aber schon durch die Aromadosierung für jedes Liquid andere Mengen für jede einzelne Zutat..      


Variante II – Die pragmatische Methode

Man mischt sich zunächst seine gewünschte Liquid Base und gibt dann einfach die gewünschte Menge an Aroma zu. Natürlich ändern sich alle ursprünglich exakten Angaben entsprechend, aber das Ergebnis kann man von dem Liquid in Variante I weder in Wirkung, fühlbare Eigenschaften (Viskosität), noch Geschmack sensorisch unterscheiden. Und solange man seine Ergebnisse immer wieder reproduzieren kann, ist das ein gangbarer Weg. (Natürlich kann man auch hier dann die fertig gemischte Base nehmen und sagen: ich will exakt 100ml, dann zieht man beim Abmessen der Base auch noch die Aromamenge von der Zielmenge ab und ist einen Tick exakter, aber auch hier kommt es mathematisch betrachtet zu Verschiebungen der Nikotinwerte etc..) Ich gehe den faulen Weg, volle 100ml kann ich schneller und genauer abmessen, als 97ml. Was für mich mehr zählt ist eben die genaue Reproduzierbarkeit der Rezepte und ich habe eben mit dieser pers. Methode angefangen und bleibe eben dabei.


Ein Beispiel, um einmal deutlich zu machen, wie sich das real auswirkt und wie "groß" die Verschiebungen tatsächlich sind:

Wir möchten ein ganz simples Liquid aus 50:50 PG/VG mit 6 mg/ml Nikotin und einer 4% Aromazugabe mischen. Die Zielmenge ist hier 100 ml. (Tipp: Je kleiner die gemischte Menge, umso schwieriger ist es, die Einzelzutaten präzise abzumessen oder abzuwiegen.) Nach Variante I sollte der Rechner bei Verwendung einer 36mg/ml PG-Nikotinbase und einem PG basierten Aroma folgende Werte auswerfen:

VG:                                     49,70 ml              (oder alternativ 62,69g)

PG:                                     29,63 ml              (oder alternativ 30,74g)

Nikotinbase (PG)             16,67 ml              (oder alternativ 17,27g)

Aroma:                                 4,00 ml              (oder alternativ   4,19g)

Wie man erkennt, müsste man, um ein wirklich exaktes Ergebnis zu mischen, ebenso exakt abmessen. Denn nur dann erhalte ich genau 100ml Liquid mit exakt 6mg/ml Nikotingehalt. Das ist bei den obigen Mengenangaben schon extrem „schwierig“ und nicht praxisgerecht. Man wird die Nachkommastellen so gut als möglich zwangsläufig „verrunden“.

Daher mische ich mir zuerst meine fertige Liquidbase nach Variante II an, also 50:50 PG/VG mit 6 mg/ml, das Problem ist ähnlich:

VG:                                     49,70 ml              (oder alternativ 62,69g)

PG:                                     33,63 ml              (oder alternativ 34,89g)

Nikotinbase (PG)             16,67 ml              (oder alternativ 17,27g)

Nun mische ich das Aroma hier also 4% „on Top“ Das Endergebnis sind  also 104 ml Liquid. Meine Mischung hat dann eher 56:44 PG/VG, da sich das Verhältnis ja durch das PG basierte Aroma in Richtung PG verschiebt. Auch sinkt der Nikotingehalt auf ~5,77mg/ml. Dies ist aber durchaus vertretbar und wirklich weder zu merken, noch zu schmecken.

Da ich mir aber hier eine reine Liquidbase anmische, die ich später je nach Gusto mit Aroma versehe, mische ich einfach immer in Portionen á 500 ml oder 1.000 ml an. Das Abmessen ist so leichter, genauer und ich habe immer die Möglichkeit Kleinmengen mit unterschiedlichen Aromen in jeder Dosierung schnell anzumischen. Persönlich halte ich so, je nach Verdampfer und Leistung folgende Stärken auf Vorrat:

  • 18,0 mg (80:20 PG/VG als Stealth-Liquid mit extrem geringer Dampfentwicklung zur heimlichen Schmachtbefriedigung bei ~7 Watt)
gute Ausrede gesucht...

 

  •  9,0 mg (50:50 PG/VG als Allround-Mischung für meine MTL-Verdampfer bei 9-15 Watt)
  • 4,5 mg (50:50 PG/VG als Allround-Mischung für meine DTL-Verdampfer bei ~30Watt)
  • 3,0 mg (20:80 PG/VG für DTL mit hoher Leistung bei 60-80 Watt)
  • 1,5 mg  oder 0 mg (20:80 PG/VG für extrem hohe Leistungen für z.B. die Töpferdampfe bei 120 -170 Watt)

(Gehe ich bei niedrigen Temperaturen raus ins Freie und ich erwarte Nachflussprobleme bei den VG-lastigen Liquids, kommt als Fließverbesserer einfach etwas Alkohol hinzu. Mittlerweile geht da eben auch viel nach Gefühl.)



Das Mischen selbst:



Die größeren Mengen messe ich (ggf. portionsweise) mit meinem 100 ml Messzylinder ab, der ist ausreichend genau, einfach zu benutzen und zu reinigen. Als erstes nehme ich stets das dickflüssige VG, da beim Umfüllen immer etwas im Messzylinder aufgrund der Viskosität zurückbleibt. Diese Reste werden dann durch das anschließende Abmessen des PG gelöst und enden so nicht als „Schwund“ im Spülwasser.


Messzylinder, Becherglas und Erlenmeyerkolben mit Rührmagneten


Die Aromen messe ich dann immer mit einer 1ml Insulin Einwegspritze ab und, wie schon erwähnt, Einwegspritzen heißen so, weil sie nur einmal verwendet werden, diese werden nach dem Mischen also nicht gereinigt, sondern entsorgt. Gemischt wird direkt in 80ml PE-Fläschchen oder bei größeren Mengen in Glasflaschen ab. Dann werden sie gründlich gemischt und ggf. in handlicher Größe abgefüllt. Dazu verwendet man immer nur saubere Flaschen die, sofern Reinigungsmittel zum Einsatz gekommen sind, gründlichst gespült und ggf. über Nacht gewässert worden sind.


Pipetten 10ml, Pipetten 2ml, Spritze 5ml mit dicker, stumpfer Kanüle, Trichter und Insulinspritzen


Praktisch: Ersatz für die Tröpfler der Aromenfläschchen, ein Luers-Anschluss


Wichtig: Fällt euch beim Mischen irgend etwas Ungewöhnliches auf, z.B. ihr mischt ein Liquid an, welches dann eine Trübung aufweist, sollte ihr gerade bei neuen Aromen sehr aufmerksam sein! Nach intensivem schütteln sind oft viele kleine Luftbläschen im Liquid verteilt worden, die sollten aber spätestens am folgenden Tag wieder alle entwichen sein. Eine beständige Trübung oder Phasentrennung kann aber auch ein eventuell ungeeignetes Aroma entlarven. Hier sollte man einen Löschpapiertest machen, der zumindest Gewissheit über etwaige fette Öle liefert. Man nimmt ein Blatt Papier, Filterpapier, Küchenpapier, (hochweiß sollte es sein!), und tropft ein wenig von dem verwendeten Aroma und Liquid auf dieses. Am nächsten Tag, nach dem Trocknen, sollte es rückstandsfrei verdunstet sein und kein fettiger Fleck zurückbleiben. Wenn doch, würde ich versuchen ein anderes Aroma in dieser Geschmacksrichtung zu bekommen und das Vorhandene in Joghurt, Eiscreme o.ä. aufbrauchen.

Und so kommen wir zur nächsten Glaubensfrage, bzw. eher doch einer Erfahrungsfrage:


Das Reifen:

Lange Zeit gab es zwei Lager bei den Dampfern. Die Einen hielten ungereifte Liquids für undampfbar und propagierten einen mindestens 3 wöchigen Reifungsprozess als unabdingbar, die Anderen hielten das Reifen an sich für pures Voodoo und begründeten dies auch durch die nicht nachweisbaren chemischen Abläufe die typisch für eine Reifung seien. Für letztere war lediglich ein gründliches Mischen für erforderlich.

Nach meiner Erfahrungen ist das Thema komplexer, als hier immer wieder angenommen wurde. Es gibt Liquids, die schmecken frisch nach dem Mischen schon richtig lecker, oft sind das die fruchtigen Aromen, die können sogar nach einer Lagerung erheblich an Geschmack verlieren. Die eher süßen, dessertartigen Liquids gewinnen eigentlich fast alle bei einer ausreichend langen Lagerung an Geschmack. Das sind meist die Liquids, die auch bei der Lagerung (meist durch Nikotin – Oxidation) in der Farbe stark nachdunkeln. Auch hier ist immer alles vom einzelnen Aroma selbst abhängig. Man merkt das recht schnell oder schreibt sich das einfach in seinem Misch-Logbuch mit auf.

Möchte ich ein Liquid schnell dampfen, erwärme ich es im Backofen auf ~45°C in einer offenen Glasflasche, denn je flüssiger die Zutaten sind (VG!) umso besser lassen sie sich auch mischen! Bei 45°C wird das Liquid schön dünnflüssig und ich kann die Glasflasche, dicht verschlossen natürlich, heftig und intensiv schütteln. Dann stelle ich sie offen, aber abgedeckt, zum langsamen Abkühlen bis zum folgenden Tag weg.


Das Lagern:

Die Zutaten PG, VG und Nikotinlösung mögen es kühl und dunkel (wichtig!). So überstehen sie wohl mehrere Dekaden ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Selbst bei geöffneten Gebinden ist durch die vorhandene antibakterielle Wirkung ein Verkeimen (fast) ausgeschlossen. Dies kommt den Bunkerbesitzern erheblich entgegen und man ging durch die Lagerung auch großer Mengen, kaum ein Risiko ein. Die Aufbewahrung in Tiefkühltruhen ist nur sinnvoll, wenn in den Truhen ohnehin ungenutzter Platz vorhanden ist. Da sind sie dann auch gut und dunkel untergebracht und wirken bei einem Stromausfall auch noch als „Kühlakkus“. Ebenso wird der Energieverbrauch eines Tiefkühlers leicht gesenkt, da beim Öffnen nicht immer so viel kalte Luft entweichen kann und die eindringende warme Luft schneller abgekühlt wird. Aber einen extra Tiefkühler zur Lagerung zu betreiben, ist einfach Unsinn!

Ganz anders die Aromen, denn die meisten Lebensmittelaromen mögen es zwar auch dunkel, aber ihre Lieblingstemperatur liegt zwischen 14 und 20°C. Sie mögen also keinen Kühlschrank und schon gar keinen Tiefkühler, auch sollten sie möglichst binnen 1 – 2 Jahren nach dem Öffnen des Gebindes aufgebraucht werden. Ja, selbst ungeöffnet können Aromen durchaus überlagert werden.

Fertige Liquids vertragen es meist auch mal kühl, fühlen sich aber auch bei den gleichen Temperaturen wie die Aromen durchaus länger Zeit wohl. Höchst selten habe ich von Überlagerung gehört oder auch von einer Verkeimung gelesen. Höchst selten zwar, aber es scheint vorzukommen. Möchte man also ein altes Liquid verkosten, sollte man es sich durchaus einmal näher anschauen. Ist es milchig oder erkennt man „Fäden“, merkwürdige Schlieren o.ä., sollte man es einfach stillschweigend entsorgen. Wichtig ist es aber immer, für eine dunkle Aufbewahrung zu sorgen und auf dichten Verschluss zu achten, so halten sich die Qualitätsverluste bei Nikotingehalt und Geschmack auch längere Zeit in kaum wahrnehmbaren Grenzen. Ideal sind hier Braunglas oder Blauglasflaschen, sie halten UV Licht zusätzlich vom Liquid fern.



Übrigens: Das bei fertigen Liquids angegebene MHD, ist genau das, was es ist, lediglich ein Mindesthaltbarkeitsdatum, na,  wie soll ich es formulieren…?

Ah, ja: Weder Gesetzgeber noch Hersteller gehen mit den vorgesehenen 2 Jahren auch nur das geringste Risiko ein. Genauso gefahrlos kann man auf massive Grabsteine, bei vorschriftsmäßiger Lagerung, eine 2 Jahres-Garantie gegen Erosion geben. Aber den Grabstein dann deswegen nach 2 Jahren nicht mehr zu nutzen, zu entsorgen und neu zu kaufen, wäre doch sicherlich eine „Überreaktion“.


Wichtig:

Gerade wenn man längere Zeit lagert, muss man auch hinterher noch wissen, was denn da überhaupt so in dieser oder jener Flasche lagert. Bei den Zutaten im Originalgebinde, ist das über die Herstelleretiketten deutlich zu erkennen. Bei den eigenen Liquids und Mischungen, liegt das aber in unserer eigenen Verantwortung!

Penibel sollte man daher immer die Beschriftung der Flaschen vornehmen. Neben meinen hübschen Etiketten auf der Vorderseite, die mir nur ungefähr die Geschmacksrichtung und die Nikotinstärke angibt, …


Etikett Vorderseite


…erhält jede Abfüllung auch ein rückwärtiges Gefrieretikett, auf dem ich die Menge und Art der verwendeten Aromen, die Nikotinstärke, die Zutaten und das Verhältnis der Mischung und oft auch das Mischdatum angebe. Meist klebe ich noch einen Streifen Tesa über das Etikett, damit es auch dann noch lesbar bleibt, wenn mal ein Tropfen Liquid die Flasche hinabläuft.


Inhaltsangabe auf der Rückseite

 

Ich hoffe ihr habt viel Spaß am Experimentieren und findet viele für euch ideale Rezepte! Es ist ein riesiges Thema, bei dem man immer wieder dazulernt und neue Raffinessen ausklügeln kann, eben genau wie beim Kochen...



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