von Wolken und Wasser. . .

2014 Bodensee I


Zunächst die "Einleitung",

 oder: "wie es zur Bodenseereise kam":

Nachdem ich nun eine Partnerin habe, die genauso "Kanu-positiv" infiziert ist, wie ich selbst es bin und ich ihr daraufhin einen großen Tourencanadier, die Amadahy zum Geburtstag geschenkt hatte, (Achtung: das war ein geschickter Zug von mir...), stand ich natürlich ohne Boot da. Dem wollte ich Abhilfe verschaffen und schwelgte im internet auf allen möglichen Seiten und suchte nach etwas Geeignetem.

Aber was war geeignet? Hmm... ich stolperte auch über ein Canoe-Forum und somit unweigerlich auf das Kringelfiebertreffen. Nun war eine Vorgabe fixiert. Es sollte / musste Kringeltauglich werden. Ich verbrachte also unzählige Stunden im Netz und da gerade auf den Gebrauchtbörsen, da meine Mittel durch den Erwerb des Geburtstagsgeschenkes, dem Zubehör (Wowa, Dachgepäckträger, Paddel) recht schmal geworden waren.Aber ich hatte nicht mit meinem Vater gerechnet, der mir großzügig unter die Arme griff und so meine bisherigen Recherchen wieder auf 0 setzte. Nun kamen sogar ganz neue Boote in Frage!
Erneutes Studium, Preisanfragen und Recherchen in div. Foren und auch auf vielen anderen Seiten steigerten das Fieber. Allmählich wurden die Vorgaben erweitert und es kamen auch Solos in Frage, es sollte ja ein Boot für mich werden. Es sollte also kringelgeeignet sein, bzw. mir das Lernen des Kringelns ermöglichen, einen ausgeprägten Kielsprung haben, bei schlanken Linien und auch die Optik sollte nicht zu kurz kommen. Vielleicht auch ein bisschen WW-tauglich? Na ja, schauen wir mal... Am schönsten waren Birkenrindenkanus, Holzkanus oder die Frame A/S, und für Hölzerne Schmuckstücke bin ich extrem anfällig.
Es war schwierig. Ich entdeckte das Holzkanu von Gabriel im Forum, welches er verkaufen wollte. Aber schon auf den Bildern war zu erkennen, viel Kielsprung war da nicht. Viele Informationen über den Huron-Cruiser 15.9 gab es nicht, man müsste das Boot wohl mal fahren und hoffen, dass sich mir (als Anfänger) die Eignung auch erschließt.













Da Beate unbedingt im Urlaub einen See paddeln wollte und wir dazu in den hohen Norden fahren wollte, bot es sich an, die 1700 km im Urlaub abzuspulen und die Probefahrt als "Umweg" einzuplanen. Natürlich versuchte ich Leute zu finden, die es schon mal gefahren sind und wurde bei Kanuga fündig. Durch die intensive Recherche fiel mir auf  deren homepage ein kleiner Fehler auf und knüpfte so einen Kontakt, der mich aus allen Träumen riss. Der Prospector sollte Klasse zum Kringeln sein, der Huron Cruiser eher nicht.

Was tun?

Wenn wir den Umweg über Polen führen, gäbe es 2 Möglichkeiten:

1)  Entweder wir nehmen die Amadahay auf dem Dach mit, dann hätte ich das Holzkanu, (wenn geeignet) auf einer zweiten Fahrt abholen müssen. Auf das Dach passt nur ein Boot und auf dem Wowa ließe sich kein Kanu vernünftig befestigen.

2) Wir nehmen kein Boot mit und haben Platz auf dem Autodach, aber wenn das Holzkanu ungeeignet wäre, stünden wir dann im Urlaub ohne Boot da. Ja, man könnte an der Seeplatte eines leihen, aber Beate wäre sicher gerne mit ihrer geliebten Amadahy unterwegs, statt in irgendeinem PE-Bomber.

Natürlich war ich auch auf Felicity gestoßen und hätte sie ebenso gerne probegefahren. Dieses wunderhübsche Kanu hatte mich direkt in den Bann gezogen.

Felicity hatte auch eine gewisse Lieferzeit, so dass wir die Amadahy auf jeden Fall mitnehmen könnten... Wir berieten uns, Beate sah mein Dilemma und wir nahmen Kontakt zu Sebastian auf. Ein unwahrscheinlich sympathischer Kontakt ohne jedes Drängeln. neutrale Beratung und das Gefühl, von seinem Wissen profitieren zu können machte sich breit. Nach diesem Telefonat stand fest: Es ist die richtige Entscheidung: ich könnte am Bodensee Felicity und einen Bell Wildfire und damit meine ersten Solos testen, außerdem war der Bodensee sogar recht näher und eine spätere Abholung wäre viel schneller erledigt. Und Beate bekam so trotzdem "Ihren See".



Erster Tag - der Teufelstisch

Durch unseren doch recht kurzfristigen Entschluss, mussten wir erst einmal einen Campingplatz, möglichst am Untersee oder am Überlinger See, finden und hatten nur bei einem CP Glück, der nicht nur wußte, dass er etwas frei hatte, sondern auch bereit war uns einen Platz zu reservieren. Es ging also an den Campingplatz Klausenhorn zwischen Wallhausen und Dingelsdorf. Ein schöner Platz mit schattigen Bäumen und nettem Betreiber. Anfahren wollten wir ihn am Sonntag, da am Freitag in einigen Bundesländern die Sommerferien begannen und ich mir den typischen Samstagsstau nicht geben wollte.

Am Samstag morgen erwachte ich jedoch mit Schmerzen. Es waren zwar leichte Schmerzen, aber leider war mir die Art und Weise schon bekannt. Egal, wir gingen einkaufen und richteten Auto und Wohnwagen für die Reise her. Nichts wurde vergessen, alles fürs Paddeln, Nahrung und Kleidung, dann war alles bereit und mein schönes Gespann stampfte schon mit den Reifen in freudiger Erwartung.













Sonntag früh ging es nach einem kurzen Frühstück los und an diesem Morgen lief nichts wirklich gut. Die Schmerzen waren stärker, es war nun sicher eine Blasenentzündung. Ich sagte nichts,wozu sollte es auch gut sein, zum Arzt konnte ich ohnehin erst am Montag... hier oder da.Drumherumkommen würde ich nicht, ohne Antibiotikum geht das leider nicht weg. Also auf und noch volltanken. Beim Anfahren an der Tankstelle dann der nächste "Schock": Der Wowa, den wir bisher erst 20km bewegt hatten, riß mir fast die Hängerkupplung ab. Nochmal gebremst, ...nein er läuft weich auf, aber beim Gageben streckte er sich schlagartig ohne jegliche Dämpfung. Wieder:

Was tun?

Ich tippte auf die Zugstufe des Auflaufdämpfers und eine Reparatur war wenn erst Montag möglich, wenn überhaupt. Meist sind da irgendwelche Exoten verbaut, die man bestimmt mit Lieferzeit bestellen musste. Nun gut, bremste ich, lief ja alles geschmeidig, den harten Ruck beim Strecken konnte man mit etwas Gefühl in Gas und Kupplung vermeiden. Gefahr bestand so ja keine. Also auf geht es!



Nach einer netten Fahrt durch Aprilwetter ohne größere Staus kamen wir nachmittags in Wallhausen an und meldeten uns erst beim CP, dann bei Sebastian an. Ungewohnt war, dass auf den meisten CPs am Bodensee das Auto nicht am Stellplatz blieb, sondern auf einem separaten Parkplatz stehen. Aber was anfangs als lästig empfunden, stellte sich dann als sehr wohltuend heraus. Nur selten waren Motorgeräusche und / oder  Türschlagen zu hören. Klasse. Die Ruhe auf dem Platz ist wunderbar.













Schnell war der Wowa in Position und wir richteten uns gemütlich ein, Die Paddel mussten auch in den Wowa, passten aber in kein Regal oder Schrank, fanden aber wie die Hüte ihren Platz...













Lange hielten wir uns aber nicht auf, der See lockte und das Wetter klarte etwas auf, Wind kaum vorhanden, stand einem "in See stechen" nichts im Wege. Dank Sebastian wußten wir von lohnenden Zielen in unmittelbarer Nähe und wurden von ihm auch gewarnt, es könne sich noch etwas zuziehen und wir sollten besser in Ufernähe bleiben. Aber die dunklen Wolken waren nur in der Ferne in Richtung des öesterreichischen Ufers (S) zu sehen, wo sie sich auch noch lange Zeit aufhielten, während bei uns die Sonne auf einem spiegelblanken See spiegelte. Raus, aufs Wasser!



Interessant war, dass sich Amadahy auf diesem tiefen Wasser völlig anders anfühlte, als auf der knapp 2m tiefen Lahn, an der Strömung will ich das nicht festmachen, man bekam ein Gefühl der Masse des Wassers unter dem Kiel, die Bewegungen waren feiner, harmonischer, so als ob Amadahy uns sagen wollte: "Hier geht es mir gut, hier gehöre ich hin und hier möchte ich bleiben."

Überhaupt: das Wasser! Leute, das Wasser! Es ist etwas völlig anderes, von  kristallklarem Wasser zu lesen oder es selbst mit allen Sinnen zu erleben und mit dem Paddel zu streicheln.




Man hatte das Gefühl, wie bei einem Blick ins Weltall, man könne kilometertief mit dem Blick den Sonnenstrahlen folgen. Nachdem wir den etwas flacheren Uferbereich verlassen hatten, schauten wir lange wie hypnotisiert in die Tiefe.



Beate entdeckte am Westufer zuerst das Seezeichen mit der Nummer 22 und meinte, dort müsse wohl der Teufelstisch sein, von dem Sebastian uns erzählt hatte und den wir bereits auf youtube bestaunt hatten. Wir änderten den Kurs und hielten direkt darauf zu.




Der Teufelstisch ist eine Felsnadel, die vom Grunde des Sees aus 90m Tiefe senkrecht aufsteigt und normalerweise 1,5m unter der Wasseroberfläche endet. Bei unserem Besuch war allerdings viel Wasser im See, da standen auf dem "Tisch" knapp über 2,0m Wasser. Aber die Farben! Mann, die Farben... Die Karibik ist ja fast farblos dagegen, aber seht selbst:




Der Teufelstisch hinterläßt beim Überqueren ein merkwürdiges Gefühl, gerade wenn man über den Tisch paddelt, ist es fast körperlich zu spüren, wenn am Rande des Tisches die Wassertiefe plötzlich von 2m auf 90m geht... Die Farbe ändert sich und man registriert die Tiefe unterm Boden mit allen Sinnen.




Das Wetter hielt und wir paddelten Richtung CP zurück, wollten aber noch nicht raus, also schnell an der Slipstelle vorbei und noch schnell ein paar Meter Richtung Süden paddeln...



Aber Sebastian sollte Recht behalten, direkt über uns verfärbte sich eine anfangs kleine Wolke ins Dunkle hinein, und wuchs langsam, aber unerbittlich...



Wir entschlossen, es für heute gut sein zu lassen und schlugen den Weg zur Rampe ein. Etwa 10m vor der Rampe war der Himmel schon rundum grau und die Starkwindwarnung wurde mit allen im Um kreis sichtbaren Warnleuchten ausgegeben. Also erst mal das Kanu raus und etwas leckeres zu Essen gemacht!





Erster Tag - der Abend

Nachdem wir wieder gestärkt waren, mussten wir noch mal an den See, vielleicht würden wir ja noch Schauspiel erleben können.

Wir suchten uns ein heimeliges Plätzchen mit guter Rundumsicht am Strandbad:



Die Starkwindwarnung (40 U/min) war noch aktiv, aber von starkem Wind nichts zu spüren, so konnten wir eine chaotische Mädchengruppe beobachten, die rumalberten und das Strandbad eigene Rettungsboot erst zum schwanken und dann zum Kentern brachte. Man beachte die putzigen Räder am Boot! 



Da sie sich beobachtet fühlten richteten sie es wieder auf, bekamen aber das Wasser nicht raus, so dass es in schließlich einiger Schieflage rumdümpelte... 



Am Ostufer war es nicht so gemütlich wie auf unserer Seite, denn bei uns blieb es trocken und wir konnten hinter den Regenschleiern die Warnlampen erkennen, die mal schlechter, mal besser zu erkennen waren.



Ein letzter Blick ins kristallklare Wasser und zur Warnleuchte, ...



...dann zogen wir Richtung Wohnwagen ab, informierten uns über das aktuelle Geschehen (mein Navi kann auch Fernsehen...), und gingen voll mit vielen tollen Eindrücken überflutet ins Bett.