von Wolken und Wasser. . .

2014 Bodensee II

Zweiter Tag - Probefahrt Felicity

Am folgenden Morgen musste ich erst mal Medikamente besorgen. Eine Blasenentzündung beim Paddeln macht ja keinen Spaß , so ging ich zur Rezeption des Campingplatzes, klagte mein Leid und hatte 2 Minuten später die Zusage eines in der Nähe ansässigen Arztes, mich "schnell dazwischen" zu nehmen.

Hier am Bodensee scheint alles recht idyllisch zu sei: Der Arzt befand in einem verschlafenen, gepflegten Wohngebiet, die Praxis wirkte eher wie ein Kunstatelier, welch Wunder, seine Frau war Künstlerin und hat die Praxis, die Kinderecke mitgestaltet und nutzte die Praxis auch als Ausstellungsfläche für ihre Gemälde. Der Ablauf wie überall üblich, Probe, Test, Vorab-Diagnose und Medikation, mit der Aufforderung mich nochmals wegen weiterer Laborwerte am Nachmittag zu melden.

Eine halbe Stunde später waren wir wieder am Wowa und sprachen mit Sebastian, ob es bei dem nassen Sauwetter ...



...Sinn machen würde aufs Wasser zu gehen. Wir entschieden uns zunächst dagegen und machten es uns im Wowa gemütlich, jeder auf seiner Art... ich machte mir noch einen Kaffee (ungesund, ich weiß), schmökerte in der "Canadierbibel" und Beate betrieb etwas Augenpflege.




Da das Wetter aber bis Mittag doch nachfolgend trocken zu bleiben schien, änderten wir diese Entscheidung aber wieder und trafen uns im Hafen von Wallhausen. Sebastian kam mit einer Felicity und seinem Bell Wildfire, wir paddelten gerade vom CP rüber und legten die Amadahy neben der Rampe ins Gras. Dann begrüßten wir uns herzlich und Sebastian "schmiß die Felicity ins Wasser, die sofort unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Da ich die Frage nach Soloerfahrung verneinte, zeigte mir Sebastian, wie man in ein solch rankes Boot am leichtesten einsteigt, stabilisierte meine Einstiegsversuch, überzeugte sich, dass ich klar kam und lief seinen Wildfire holen.






Beate machte von diesem Einstieg unwahrscheinlich viele Bilder, hoffte sie doch, auch einen Schnappschuß von einer "Komplettwässerung" zu erhaschen. Aber:

Wie ging es mir? Nun, zunächst dachte ich "Oh mein Gott! Hier kommst nie trocken raus!"

Aber, andererseits war das schon Klasse, wie Felicity auf jede Paddelbewegung reagiert. Mit unserer riesigen, schweren "Reiselimousine" überhaupt nicht zu vergleichen. Jeder cm des J-Schlags führte zu einer starken Kursänderung, erstmal sogar stärker wie die durch den Geradeausschlag ausgelöste Richtungsänderung. Ich musste also von der gewohnten Grobmotorik weg und hin zu einer zarteren und und feinfühligeren Paddelvariante und schon hörte Felicity aufs "Wort". Allerdings war ich immer noch froh, wenn ich das aufrecht hinbekam, an Kanten oder sonstigen "Experimenten" brauchte ich in diesem Stadium trotz guter, begleitender Tipps von Sebastian gar nicht zu denken.







Aber ist Felicity das richtig Boot für mich? Darüber sinnierte ich noch auf dem Wasser...






Für Beate wäre Felicity das Non-plus-ultra, da würde alles 100%ig passen. Ich dagegen müßte im Idealfall erst mal 15 kg abnehmen, denn auch Sebastian meinte, dass sie etwas tiefer als die geplante Konstruktionswasserlinie läge.

Beate sah, dass ich heuer wohl nicht mehr "plumpsen" würde und wendete ihre Aufmerksamkeit daher lohnenderen Objekten zu...






... während wir gutgelaunt zum Bootswechsel ans Ufer kamen. Denn, wenn ich die Gelegenheit schon hatte, wollte ich auch dieses Boot mal ausprobieren, hatte ich von dem "original" Bell Wildfire doch schon tolle Sachen gelesen / gehört!





Zweiter Tag - Probefahrt Wildfire + Amadahy

Die Boote wurden getauscht, ich kam auch trocken wieder aus Felicity raus und ich fühlte mich direkt etwas besser. Auch der Wildfire reagierte schnell, kam aber besser mit meinem Gewicht klar, ..., oder kam ich besser mit dem Boot klar? Jedenfalls bekam ich zu diesem Kanu schneller einen guten Draht, obwohl Felicity für mich klar das weitaus schönere Boot ist. Das Potenzial beider Boote kann ich bestenfalls erahnen, aber heute noch nicht beurteilen.





Mit dem Wildfire konnte ich direkt schon ein bisschen spielen. Auch wenn mir die "Lovehandles" nicht so wirklich gefallen, ist das Wildfire bestimmt eine überlegenswerte, echte Solo-Variante für mich der Zukunft. Ihr wisst ja: Der Trend geht zum Dritt-Boot! 




 Sebastian gab mir noch einige Tipps:



 und zeigte mir gleichzeitig, was mit Felicity so alles geht.




Hier noch die Video-Zusammenfassung, bewegte Bilder vermitteln auch die unterschiedlichen Charaktere der Boote besser:



Nachdem ich nun im Kopf einigermaßen durcheinander war und ich die Testfahrt als ausreichend empfand, quatschten wir am Ufer noch ein wenig und ich klagte mein Leid über die geringe Wendigkeit der Amadahy und dass sich diese beim Kanten kaum erhöht. Auch das Kanten selbst sei bei ~47kg auf 95cm Breite kein Genuss und dass ich mich kaum trauen würde, sie komplett zu kanten. Sebastian meinte, er probiere das mal, um mir da ein paar Sachen zu zeigen...












Er kam zu dem Schluß, dass sie wirklich nicht so wendig ist, selbst gekantet ließe sie es an Wendigkeit fehlen...

Was sollte ich angesichts dieses Anblickes noch sagen? Wir waren ziemlich platt, fachsimpelten noch etwas und verabschiedeten uns in der Hoffnung uns in diesem Urlaub ggf. noch zu einer Ausfahrt zu treffen. Wir fuhren dann wieder zurück zum CP, jedoch nicht ohne nochmals einen schnellen Abstecher an den Teufelstisch zu machen.




Danach setzte ich Beate an der Rampe ab, um sofort auszuprobieren, ob die Amadahy nun auch mir besser gehorchte, nachdem ihr ein Könner gezeigt hatte, was sie zu tun hatte. Und wie man sieht war es dann wohl vorher doch eine reine Kopfsache!




Mit mir und dem Boot zufrieden, auch im Wissen, schon in diesen paar Stunden einiges für mich mitgenommen zu haben, holten wir die Amadahy aus dem Wasser...



Für heute war es erst mal genug!