über Wasser, Wolken, Stahl und mehr. . .

Krifon Patch


1. Lederpatch für Krifon

Ermutigt durch einige Lederarbeiten, die nicht gebrannt oder gemalt wurden, (wie bei den Schwertscheiden), sondern die ich punziert und antikisiert hatte...,



...wollte ich für unsere Fechtschule Krifon dem gestickten Aufnäher für Fechtjacke und Fechtmaske...



...ein wenig hübsche Konkurrenz, nämlich ein zum Mittelalter-Thema passendes Logo aus 3,2mm Blankleder zur Seite stellen. Das Leder wird anschließend noch gefärbt und antikisiert, wie es auf den obigen Bildern zu sehen ist.

Zunächst versuchte ich es manuell:




Allerdings  ist das Punzieren in dieser Größe kaum ansehnlich und mit den nötigen Details möglich. Daher wollte ich jetzt zur Fertigung eines Prägeklischees, eine druckbare 3D-Datei erstellen. Hier sind die Ausgangsbilder, also quasi meine Vorlagen...



Und hier dann die fertigen Modelle, bzw. die gerenderte Ansicht...


gespiegelt zum Druck


gerendert...


Nun wird sich herausstellen müssen, ob sich die vielen Stunden vor dem PC und der Kampf mit dem unbekannten CAD-Programm gelohnt haben.

(Nicht mal die minimalen Systemanforderungen erfüllt mein Rechner, aber durch das Freischaufeln der dringend benötigten Ressourcen, kam ich zwar langsam und von Abbrüchen verfolgt, am Ende doch noch zu einer fertigen STL-Datei...)

Um es kurz zu machen. Ich forderte diverse Angebote zum Maß von 97,5 x 100mm an. Dies war in meinen Augen die max. Größe für dieses Projekt und ich hoffte, dass man die Details noch einigermassen umsetzen kann. Bei meinem bewährten Lieferanten (Dampfpaddler-Brennstempels) als Gravur einer massiven Messingplatte, und eben auch als 3D-Druck bei diversen Anbietern professioneller Drucke. Dabei beschränkte ich mich auf die Techniken FDM (ist eigentlich aufgrund der nötigen Auflösung kaum möglich, aber das Elastizitätsmodul der Filamente ist dabei am vielfältigsten), SLA, SLS und DLS.

Das Ergebnis: Die FDM-Fraktion zeigte direkt die weisse Flagge, zu den anderen Verfahren erhielt ich zwar Angebote, aber ich sollte die Wandstärke der Details erhöhen (?). Diese Aussage sagte mir eigentlich schon einiges. Nehmen wir mal ein einziges Detail:

0,6 mm Wandstärke - 0,6 mm Durchbruch - 0,6 mm Wandstärke.

Vergrößert man hier die Wandstärke auf die gewünschten Wandstärke von 1,0mm, ergibt sich eine Platte ohne Details, da der Durchbruch gar nicht mehr vorhanden ist. Das ist doch nicht zielführend.

In SLA sollte es aber doch "rechnerisch" möglich sein, also kalkulierte ich zwischenzeitig die Anschaffung eines eigenen SLA-Druckers. Ok, das hörte sich erst mal alles gut an, allerdings, je tiefer ich mich in dieses Thema "hineinrecherchierte", um so wankelmütiger wurde ich:

  • Der Aufwand beim Drucken ist recht hoch, gerade die Reinigungsarbeiten nach dem Druck sind enorm.
  • Das Harz muss nach dem Druck auch noch gehärtet werden.
  • Dieser Härtungsprozess setzt sich aber auch danach unbegrenzt fort, zwar langsam, aber das ohnehin schon spröde Material versprödet immer weiter. Schon ein Herabfallen kann dann zum Bruch der Prägeplatte führen.
  • Ob ein solcher Druck überhaupt eine Prägung mit hohem Druck stand hält, wäre auch noch die Frage, denn die Kerbwirkung des Leders, ist, je nach Größe der von den Details umschlossenen Flächen, völlig unterschiedlich. Ob die erhabenen Details dem Druck dann auch Widerstand leisten können, würde sich erst nach dem Kauf / Druck herausstellen.
  • Wie oft, bzw. lange die Klischees genutzt werden können, steht nach den obigen Fakten leider auch in den Sternen.
  • Das verwendete UV-empfindliche Harz ist bei den emittierten Gasen nicht zimperlich. Also  müsste man besser unter einem professionellen Abzug drucken, und eben nicht nur in dem immer wieder beschworenen "gut gelüfteten Raum". So gesehen, hat ein solches Verfahren in einem Wohnhaus gar nichts zu suchen.
  • Man lagert schon eine Menge Chemikalien als Verbrauchsmaterialien in der Wohnung, das Harz und das Isopropanol, denn je größer die ein gekaufte Menge umso preiswerter wird es. Da kann man bei den aufgerufenen Differenzen schon mal zum "Loriot ante Portas" werden.
  • Man bekommt einen enormen Entsorgungsaufwand: große Mengen an verunreinigtem Papier, Handschuhen und auch verunreingtes Isopropanol fallen zur Entsorgung an.


Der eigene Drucker schied somit aus, also zurück zu den eingehenden Angeboten der 3D-Druckfirmen:

Die angebotenen Preise bewegten sich bis zu 250% über dem Angebot meines "Haus & Hoflieferanten" in klasssischer Gravurtechnik. Ich besprach mich nochmals intensiv mit einem sehr geduldigen Mitarbeiter (Bitte nicht ausnutzen!) von der industrie-gravuren GmbH. Trotz dieses "privaten Mini-Auftrages"  wurde ich erneut von dieser Firma kompetent beraten und nachdem ich erfuhr, dass die Gravur auch noch filigraner und kleiner mit allen Details möglich ist, war die Entscheidung noch während des Gespräches gefallen. Bei einem solchen Prägeklischee brauche ich mir auch um Stabilität und Dauerhaltbarkeit keinerlei Gedanken zu machen und die Qualität der Arbeiten war mir ja schon bekannt.


Ich gab also die Reinzeichnung dann in den reduzierten Maßen 80x82mm Dienstags frei und bedankte mich für den Aufwand, der man für eine solche Anfrage, bei einer auf industrielle Stückzahlen auslegten Firma, für mich getrieben wurde. Auch stellte man mir einen Versand am folgenden Tag in Aussicht. Kaum zu glauben, die in den anderen Angeboten angegeben Lieferzeiten lagen bei bis zu 6 Wochen.

(Natürlich sagte ich bei den angefragten Firmen auch höflich ab, allerdings mit dem Hinweis, dass bei diesem Anwendungszweck die Drucktechnik wohl (noch) nicht zur klassischen Fertigung konkurrenzfähig sei.)

Ok jetzt musste ich mich aber beeilen, ein bisschen Leder hatte ich noch, aber ich brauchte noch eine Presse. In ebay bei einem Chinesischen Lieferanten gab es exakt das Modell meiner Wahl für rund 70% des üblichen Preises, Artikelstandort Tschechien, die Lieferzeit sollte rund 10 Tage betragen.

Am Donnerstag bereits, kamen dann beide Teile schon bei mir an. Industrie-gravuren hatte tatsächlich mein Klischee produziert und versendet, der Chinalieferant ab Belgien verschickt. Ich war baff:

Die Entscheidung die gewünschte schwere Presse im Land des Herstellers zu bestellen war gut, geliefert wurde tatsächlich das bessere Modell mit separater Gewindeführung der Spindel, nicht die "billige Version", bei der das Gewinde einfach in den Querträger geschnitten ist. Die Presse ist extrem schwer, solide und kam bereits fertig montiert (!) bei mir an.


Dann aber zum gelieferten Prägestempel. Bestellt hatte ich ja lediglich einen Prägestempel. geliefert wurde aber ein echtes Schmuckstück, welches so fein gearbeitet ist, dass es jedem Juwelier die Schamröte ins Gesicht treibt:





Gespannt, ob diese feinen Strukturen dann überhaupt noch auf dem Leder erkennbar sein würden, schnitt ich mir einen passenden Lederrest zu und wässerte ihn...


Die Mittelpunkte zum Ausrichten angezeichnet, kam er dann für 10 Minuten in die Presse...


und?

I

ch bin absolut begeistert, diesen Detailreichtum hatte ich mir vorher nicht vorstellen können.




Nun musste das Leder noch zugeschnitten werden und mit dem gewünschten Antik-Finish finalisiert werden.


und da könnte er z.B. gut hinkommen...


Der Aufwand hat sich definitv gelohnt und ich werde damit Thomas & Christian, denen ich jetzt ein solches Muster schicke, bestimmt erfreuen können! Denn auch die Reproduktionen sind in der gleichen Qualität...



Die drei Muster sind fertig zweimal "antik" einmal "neu", jetzt dürfen sie sich eines aussuchen und ich betrachte dieses Projekt hier erst mal als "erledigt"...