über Wasser, Wolken, Stahl und mehr. . .

Die "Amadahy"

Ich habe meiner Herzdame 2014 zum Geburtstag im Mai einen netten Kanadier geschenkt. Ein Gatz Cherokee 550, ein schnell laufendes aber ausgewogenes Kanu, aus GFK, die beanspruchten Partien sind mit Kevlar und Carbon verstärkt, das Gewicht beträgt ~43kg, die Breite 95 cm. Hohe Zuladung, leichter Kielsprung und flacher Rundboden sind die Rumpfmerkmale, die Breite beträgt . Eigentlich sind aufgrund der Länge nur zarte Abstriche im Bereich Wendigkeit zu machen, sonst hat das Kanu sehr ausgeglichene Eigenschaften, aber eben ein Raumschiff für den gut ausgerüsteten Urlaub zu 2 oder 3, oder für Tagestouren mit 4 Personen.


Kanu Gatz Cherokee 550



Die Vorbereitungen

Das Boot weist derzeit noch einige kleine Problemstellen auf, so hat der Vorbesitzer Bug und Heck "mit Fiberglas verstärkt", ... äh, also vorne und hinten ein paar Mattenstücke drauf gematscht. Aber gut, ist bei GFK ja kein Problem. 

Um die deutschen Gewässer befahren zu dürfen, ist unter 3 PS weder ein amtliches, noch ein amtlich anerkanntes Kennzeichen vorgeschrieben. Wohl aber eine Kennzeichnung (z.B. Name) und im Boot ein Eignervermerk nebst Anschrift.

Gekaufte Buchstaben waren mir immer ein Gräuel, also war wieder Handarbeit angesagt. Zum Thema Kanu sollte es dann auch ein indianischer Name werden. Auf den Namen "AMADAHY", d.h. "Wasser aus dem Wald" oder kurz "Waldwasser", in der Cherokee - Sprache Tsalagi, sollte sie getauft werden. Zu einem solchen Namen und dem schönen Kanu muss natürlich auch die Schriftart passend ausgesucht werden. Ich habe da etwas Schönes gefunden, mit 2 Sorten Dekorfolien (UV + Seewasserfest) ging ich frisch ans Werk, Gesamtaufwand in drei Tagen rund 11,5h , aber war dann vom Ergebnis begeistert. Jeder Buchstabe durch die unterschiedliche Maserung ein Unikat:




Am folgenden Samstag gab es dann das volle Programm, neben dem Wocheneinkauf, Lotto spielen und solche profanen WE-Tätigkeiten, standen für uns noch auf dem Programm:

  • Schreiben einer Taufrede.
  • Entfernen aller alten Aufkleber, Gatz-Firmenzeichen und D-Zeichen mit dem Heißluftgebläse.
  • Entfernen aller Klebereste mit Ballistol und Reinigungsbenzin.
  • Anbringen des Namens an Bug und Heck, nebst Eignerplakette.
  • Erstmontage / Einstellung des neuen Thule-Dachträgers.
  • Verladen mit meiner Herzdame.
  • Taufe am Steg der RG Lahnstein.
  • Jungfernfahrt und Alleinfahrten.
  • Heimkommen und ein dem Anlass des Tages gerecht werdendes Menü kochen.


Auch hierzu nun ein paar Bilder vom Tag der Taufe, (das Video der Taufrede dagegen, erspare ich euch...)

Frühmorgens kam der Name an das Boot und auch auf dem Boot sehen die Schriftzeichen einfach Klasse aus!





Die Taufe

Das Verladen klappte fast alleine recht gut, Beate musste nur beim "Führen" helfen. Schnell lag das Kanu gut gesichert auf dem Auto und es konnte losgehen. Die junge Eignerin konnte es kaum erwarten und war nervös bis zum Platzen.



Telefonisch hatte ich beim der RG Lahnstein angefragt, ob ich deren Steg für unsere Taufe und Erstwasserung nutzen könnte und bekam sofort die Erlaubnis incl. Bestätigung per SMS von Herrn Milzer. Vielen Dank!

Schnell lag das Kanu am Schwimmsteg in der Lahnmündung, ein kurzes Sammeln noch vor der Taufe...




Die Taufrede morgens um 06:00 Uhr entworfen, brach zwar mit der üblichen Neptun- und Rasmus-Tradition, aber dies war den Indianern wohl ebenfalls fremd. Also ganz auf die Natur und meditativen Aspekte des Flusswanderns abgestimmt und Taufredentypisch pathetisch und lyrisch in Versen gefasst:



Beate fieberte der Erstfahrt entgegen... "Wie fährt sich dieses schöne Kanu wohl?" Das Ergebnis überzeugte sie auch in Alleinfahrt vollkommen und nun ist sie dem Kanu-Virus vollends verfallen...




Hier sieht man ihr die Begeisterung doch wirklich an:




Auch ich ließ mir eine Alleinfahrt nicht entgehen, und gekantet wurde die 5,5m lange AMADAHY geradezu wendig. Ruhiger, schneller Lauf durch eine lange Wasserlinie zählt in aufrechter Haltung zu ihren absoluten Stärken.





Die Joche - ein update

Der nötige Umbau der Tragejoche folgte auf dem Fuße, und diese häßlichen Alu-Vierkantprofile, die der Vorbesitzer implantiert hatte, da die GFK-Versteifungen der Bootsschale gebrochen waren, wurden durch diese hübschen Holzteile ersetzt:



Hier der Einbau der Joche, und die am folgenden Tag stattfindende Erprobung. Nett war übrigens der gut gemeinte Tipp eines Internethändlers, der ebenfalls solche Joche anbot, 

Zitat:

...Vergewissern Sie sich bitte beim Zuschnitt des Jochs, dieses

auf beiden Seiten entsprechend zu kürzen. ...


So sah es vorher aus, auf diese Alu-viereck-Profile musste ich von hinten immer gucken. Und, Hand aufs Herz, wie kommt man auf die Idee irgendein Vierkantprofil in ein Kanu zu schrauben?  Vorher waren da wohl mal GFK-Joche drin, die wohl gebrochen waren und so schnöde ersetzt wurden.




Und so sollten sie ersetzt werden. Ja, ich weiß, dass man so keine Portage zu zweit hinbekommt, einer müßte rückwärts laufen. Aber so kann sich Beate vorne bequemer anlehnen (Rücken), während ich im Kniestand Halt am hinteren Joch finde.




Da ich keine Lust hatte, das Kanu zu mir zu holen, musste eben alles zum Kanu gebracht werden. An alles war gedacht, nur nicht an U-Scheiben. Die Muttern würden sich tief ins Holz drücken und wären so nach kürzester Zeit locker. Folglich habe ich mir gerade Unterlagen aus den Aluprofilen geschnitten und entgratet.





Auch die Schnittstellen und Bohrungen am Holz wurden natürlich geschliffen und mit Lack / Wachs versiegelt.



So, das erste sitzt, passt, wackelt und hat Luft




und zack, kurz darauf bin ich fertig.



Anschließend musste ich direkt den neuen Anblick beim Paddeln genießen. So ist das wunderschön. Und der Abend war zauberhaft!

(Bis auf die Tatsache, dass man mich beim Indianerschlag-üben vom Ufer her fragte: "Haben sie da einen Motor drin?"  )

Ein paar Impressionen ...






Die "Reparatur"

Wir hatten es uns am Bodensee fest vorgenommen, als nächstes im Winter die unschönen Stellen an Bug und Heck aufzuarbeiten. Nachdem ich mir die Preise für sogenannte Reparaturkits angeguckt hatte, fiel die Entscheidung nicht schwer, mir die richtigen Matten und das richtige Harz selbst zu besorgen, ich brauche zwar nur ein Bruchteil des Materials für die Reparatur, fahre aber unter dem Strich trotz des Zubehörs einfach billiger und kann so qualitativ sauberer arbeiten. Die hierzu benötigten Materialien, trafen dann kurz nach der Bestellung bei mir ein:




(P.S. Das ganz feine Glasgewebe (48g/qm) ist aber für ein späteres Projekt, ein Selbstbaupaddel, vorgesehen.)

Damit mache ich die Amadahy wieder richtig hübsch. Der Vorbesitzer hatte ja angeblich nur Bug und Heck etwas "verstärkt"....

Nach dem Einsatz eines Handbandschleifers konnte man dann Genaueres sehen....Beate fiel fast in Ohnmacht, als sie die Bescherung sah. Richtige Löcher im Boot. Vorne und hinten. "Und damit waren wir auf dem Bodensee!", sagte sie fassungslos. Die 3 Schadstellen am Bug waren ca. 1cm breit und jeweils max. 8cm lang. Egal, der Vorbesitzer hatte einfach bis zu 30cm breite und 80cm lange Glasgelege mit Polyester aufgematscht um das abzudecken. Er hatte es weder geschliffen noch gespachtelt oder gar lackiert.

Die 2 Schadstellen am Heck waren ebenso groß und wurden von ihm ebenso laienhaft behandelt, nur entfiel dort sogar das Anschleifen vor dem Laminieren, so dass nun schon beim Schleifen teilweise große Gelegestücke einfach absplitterten. Da diese Lagen aber auch schon beschädigt wurden und dort Wasser eindringen konnte, delaminierte das originale Gfk bis zur Rovinglage. Hier half nur eine richtige "Rosskur". Nachdem wirklich alles Ungesunde entfernt wurde, war es dann ein riesiges Loch im Heck . Beate guckte schockiert, glaubte Sie doch nicht daran, dass es mir gelingen würde, diese Schäden fachgerecht und akkurat zu beseitigen.

Dementsprechend wollte ich nun kein Pfusch mehr an diesem Boot dulden  und habe den Laminataufbau sauber und solide, (im gleichen Aufbau wie der Hersteller), wiederhergestellt. Das Abreißgewebe als letzte Lage sorgte für eine vernünftige Oberfläche vor der endgültigen Versiegelung.

Hier die Bilder des Bugs nach der Reparatur, vor der Versiegelung:





Analog wurde das Loch am Heck geschlossen. Eine wunderbare massive, homogene Reparaturstelle, ohne Lufteinschlüsse, die perfekt mit den Altgelegen durch Anschäften verbunden war und garantiert stabiler als bei einem Neuboot ist. Dafür wurde das Boot aber auch gut 1 kg schwerer...

Nachdem alles gut durchgetrocknet war, wurde dann der Gelcoat wie das Original in Zyangelb eingefärbt, in mehreren Lagen aufgebracht und unter Luftabschluss (Folie) gehärtet. Am Bug...



und am Heck...



Einige Schrammen am Boden wurden ebenso gespachtelt und versiegelt. Alle Stellen wurden feinpoliert und ich versuchte im richtigen RAL-Ton (braun) die Melierung des Bootes durch Tupfen/Wischen nachzuempfinden. Zum Abschluß habe ich mit Sikaflex ein paar PU-Rammschutzkappen original vom Hersteller aufgebracht. Auch wenn das keinen scharfen Bug ergibt, aber die Laufeigenschaften werden durch die sanften Übergänge kaum leiden. Die aufwendige Optikretusche ist leider erforderlich, weil selbst die riesige Rammschutzkappe nicht die kompletten "verhunzten" Partien abdeckt.






Zum guten Ende bekam Beates Sitzbank noch eines von den genialen Gatz-Polstern (perfekt auch bei angekipptem Sitz im Knien).



und auch die im Winter in Auftrag gegebenen Indianer-Schildkröten durften die Amadahy jetzt beidseitig und an Bug und Heck schmücken. Sicher kann man die auch selbst machen, aber fauler ist es schon, mit einer professionell geplotteten und auf Trägerfolie applizierten Folie zu arbeiten. Man hat ja durch viele LKW und Planenbeschriftungen entsprechende Kontakte. Und bei dem aufgerufenen "Preis" konnte ich es einfach nicht mehr selbst machen...






Seitdem fahren wir das Boot so, ...



...aber es stehen erneut Arbeiten an, um die Amadahy zu verschönern, die wir aber erst in einem der nächsten Winter angehen werden. Ein neuer Süllrand, komplett aus Kirsche, oder Walnußholz stünde dem Boot bestimmt ganz gut...