über Wasser, Wolken, Stahl und mehr. . .

Die "Ayita"

Der Traum

Ich habe etwas Neues im Visier. Dieses Mal verrate ich nur so viel: ein Traum aus Kiefern-, Eschen- und Nußbaumholz, ein Tandem, aber durchaus sologeeignet.  Ein paar Bilder (copyright by GabrielloArt) zum schwärmen?










Hier sind schon mal die Daten des vom polnischen Holzkünstler gebauten Kanus:


 
So etwas ist aber nicht so einfach auf ebay & Co zu finden, aber es ist zu finden, dank internet hat man ja internationale Kontakte. Jetzt warte ich aufgeregt auf Nachricht aus Polen....


Die Entscheidung

Ich habe es tatsächlich getan. Die Nachricht kam und es war ein ständiges Hin- und Her. Erst wollte ich es zu meinem Geburtstag abholen und mir selbst das größte Geschenk machen, was ich mir je gemacht hatte. 

Dann kam aber mein Zahnarzt mit einem horrenden Kostenvoranschlag auf mich zu und ich habe in Polen erst einmal abgesagt. Dann wollte ich es jedoch wieder unbedingt haben und überlegte hin und her:

 Das bisschen was ich esse, kann ich doch zur Not auch trinken!

Das Boot ist jedenfalls eine absolutes Schmuckstück zu einem Super-Preis. So etwas findet man
nicht alle Tage, nur es sprach ja so viel dagegen:

  • die Zähne müssen gemacht werden
  • die Spülmaschine ist seit 1 Jahr kaputt
  • der Kühlschrank und die Waschmaschine machen seit letzter Woche "komische" Geräusche... 
  • am Auto war ja noch nie was, aber nach 210.000km sollte ich jetzt mal was dran tun...
  • wie lange mein Arbeitsplatz überhaupt noch da ist ? (Ich tippte auf ~2-3 Monate, die Firma entwickelte sich nicht wirklich gut ...)

Ok, das Geld für dieses Boot bekomme ich zur Not immer wieder zurück und ich habe ja noch einiges anderes was ich versetzen könnte, wenn es eng wird,... also Augen zu und durch: Auf nach Polen!


Die Abholung

Am Samstag morgen um 03:00 Uhr ging es los. Einfache Strecke nach Luban sind 621km, kein Problem, ich sollte bis zum Abend wieder zurück sein. Aber es fing toll an, die ersten 300km wunderschöner Nebel und kaum jemand unterwegs, an den man sich als "Hindernisspürgerät" dran hängen kann. Wenn jemand überholte, dann ein Wahnwitziger der mit 150 Sachen in die Nebelwand raste, da kann man sich wirklich nicht dranhängen, bei ausreichendem Abstand, sieht man die Rückleuchten schon gar nicht mehr. Also geduldig durch die Watte gezuckelt. Entschädigt wurde ich um 5:33 Uhr als der Nebel kurz aufriss und ein wunderschöner Sonnenaufgang mich begrüßte...





Nun gut, die Sonne vertrieb den Nebel und wie vereinbart traf ich um 10:00 Uhr in Luban ein. Der nette Eindruck des jungen Holzkünstlers, den ich bereits in unseren etlichen Mails gewonnen hatte, bestätigte sich. Ein ganz liebes, blutjunges Pärchen begrüßte mich mit einer tollen Frühstückstafel. Wir tauschten noch einige Gastgeschenke aus (ich bekam selbstgemachten Wein, selbstgemachte Seife , Kürbisse und ein selbstgebackenes Brot), dann ging es zu seiner Werkstatt. Sein neues Boot, ein als Solo modifizierter Prospector, war mittlerweile fertiggestellt.



Dieses Boot wiegt vielleicht gerade mal 19kg und wurde auf einem Mallengerüst mit Hartschaum-Kern gebaut und anschließend mit 3 Lagen Aramidfaser verstärkt und natürlich mit einem exquisiten Süllrand, nebst Decks mit Schnitzereien und Intarsien versehen.





Dann sah ich mein neues Kanu das erste Mal in Natura. Wir holten es aus der Werkstatt und reinigten es vom Staub.




Wir verluden beide Boote aufs Dach...




und dann konnten wir mit beiden Booten zu einem "Kringelsee" in unmittelbarer Nähe fahren. Auch dieser See ein Juwel! Klein aber fein, rund 100m x 50m groß.





Hier gab es fleischfressende Pflanzen und ich habe alleine 4 Wasserschlangen gesehen. Man sieht eine V-förmige Bugwelle durchs das spiegelglatte Wasser laufen und wenn man genau hinguckt, dann sieht man das Köpfchen rausgucken. Eine dieser Wasserschlangen kam auch direkt am Ufer vorbei, aber die Kamera hatte ich im Auto gelassen, das ist bei einer Probefahrt, die eine Eignung auf "Freestyleeignung" offenbaren sollte, auch unbedingt zu empfehlen... Hier ein Wiki-Bild:




Kurz zur Probefahrt. Das Kanu besitzt einen schönen, halbrunden Boden, fühlt sich aber weitem nicht so kippelig an, wie die kleinere Felicity oder der Bell Wildfire. Kielsprung ist aber kaum festzustellen,  dennoch ist das Boot relativ wendig und damit für meine Zwecke durchaus geeignet. Besser noch, in leicht gekanteter Fahrt ist sie recht stabil, läuft trotz ihrer Wendigkeit sehr spurtreu, beschleunigt extrem schnell und hängt sehr lebendig am Paddel. Man bekommt so fast 2 Boote zum Preis von einem.


(Video copyright by GabrielloArt)

Nach der Probefahrt kam der schlimmste Teil. Meine Bedenken (s.o.) stellten sich wieder ein. Was tun? Jetzt ohne Kanu wieder heim zu fahren würde nicht ohne Traumata abgehen: Ich musste dieses Boot haben! Feilschen kam nicht in Frage, angesichts des Bootes wäre ich mir dabei wie ein Schuft vorgekommen. Nun, die Paddel passten zwar sehr schön farblich zum Boot, waren aber fast so schwer wie Beates Bärentöter. Sie sind aus Esche, verleimt und fiberglasverstärkt. Sie würden bei mir nur an der Wand hängen, dafür wiederum sind sie zu schade. Da es WW-taugliche Echtholzpaddel mit großem Blatt sind, sollte sich doch ein anderer Käufer finden lassen. Wir überlegten gemeinsam nach einer fairen Lösung und er gab mir einen Preisnachlass und behielt dafür die Paddel.

So waren wir beide zufrieden, verluden die Boote und brachten seinen Solo zurück zur Werkstatt. Ich konnte es mir dort nicht verkneifen ein wenig zu sticheln:

 "Du, Gabriel? Guck mal, mein Kanu ist viel schöner als deines!"

 Dann fuhren wir wieder zu seinem Herzblatt nach Hause, die mittlerweile ein tolles Mittagessen gezaubert hatte und fachsimpelten noch eine Weile, bevor ich zur Rückfahrt aufbrach.

Während der Fahrt hatte ich einen wunderschönen Blick auf das Kanu, Süllrand und Deck, wurde noch von einem schönen Sonnenuntergang verwöhnt ...




und freute mich schon auf die Reaktion von Beate, die leider nicht mitkommen konnte und das Kanu erst am folgenden Tag sehen durfte. Um 22:55 Uhr erreichte ich Horressen und war so aufgeregt, dass ich erst gegen 3 Uhr in einen wohlverdienten Schlaf sank....

 



Die Erstfahrt

Am Sonntag fuhr ich früh zu Beate, es versprach ein super Paddel Tag zu werden. Schon auf dem Dach bewunderte sie das Kanu, erwartete aber auch schon ungeduldig die Jungfernfahrt.

Auf dem Campingplatz drehten wir dann erst mehrere Runden um das Kanu, um alle Details ausgiebig zu betrachten. Ein vorüberlaufender Jogger rief noch einmal zurück: "Tolles Boot!"




Schnell tauften wir das neue Boot auf den Namen "Ayita", auch dies ist wieder ein Frauenname der Cheyenne und bedeutet (First to dance) "Die, die zuerst tanzt". Ich fand dies ist ein durchaus passender Name für meine neue Schönheit. Dann legte ich es vorsichtig aufs Wasser. Nein, einen Bootswagen brauchte ich dieses Mal nicht. Das Boot ist fast 20kg leichter als die Amadahy und damit auch alleine gut zu händeln.


(Vorschau auf den Namenszug, er kam erst etwas später...)


Die Enten sahen es direkt:

"Da ist ein Neues auf dem Revier!"

 Staunend kamen sie heran...








... eilig und lautstark tratschten sie es herum und lockten so noch mehr Bewunderer zum Boot, während Beate am Ufer freudig der ersten Fahrt entgegen fieberte...




Vorsichtig stiegen wir beide ein und es fühlte sich auf den ersten Metern zwar kippelig an, aber nach kurzer Fahrt merkten wir, Kippelig ist Ayita nicht, nein, sie gibt nur eine unmittelbare, feinfühlige und direkte Rückmeldung von allen Bewegungen im Kanu und auch auf jede Paddelbewegung. Auch zu zweit erwies sie sich als sehr wendig, aber auch als sehr kursstabil. Sie ist ausgesprochen flott unterwegs und beschleunigt fast widerstandslos, zwei Paddelschläge und schwupp hat sie Marschgeschwindigkeit. Leider habe ich die Kamera aus Vorsicht bei dieser Tour im Wowa gelassen, daher gibt es von dieser Tandemtour keine Bilder. Ich stelle aber ein paar nach der "Erstfahrt" ein, versprochen. ;-)

Dann kam eine 10m Yacht in zügiger Verdrängerfahrt auf uns zu und wir waren gespannt, wie sich Ayita in der Welle verhielt. Kurz: Es war völlig ungewohnt, der schmale schlanke Bug schneidet durch die Wellen ohne das Boot fühlbar zu bremsen, das ist bei Amadahy völlig anders, sie stampft sich auch bei kleineren Wellen geradezu fest. Dieses Feststampfen geht Ayita völlig ab, leicht gleitet sie mehr durch, als über die Wellen, hat sie doch etwas Flare und wenig Auftrieb in Bug und Heck. Auch legt sie sich dank des runderen Bodens bei seitlichen Wellen nicht auf die Seite, sondern lässt die Welle fast ohne Neigung unter sich durchlaufen. Wellen die uns von hinten "überholten" haben wir kaum gefühlt, sondern dann vor uns gesehen. Ungewohnt das alles, aber Klasse!

Dann durfte ich ein bisschen alleine mit dem Boot spielen, davon gibt es auch wieder Bilder...





Manchmal war ich wohl schneller als erwartet und verließ schon fast wieder das Bild...



Auch seitlich lässt sich Ayita sehr leichtgängig mit einer Hand wriggen, (ja, perfekt ist die Paddelhaltung nicht, aber ich fange ja erst an und man muss alles mal ausprobieren).







Im Gegensatz zur Amadahy benötigt es max. 2 Paddelschläge um das Boot um 180° zu drehen:






Genug gespielt, paddelten wir ins Schleusenhäuschen um zur Feier des Tages auch gut zu essen! Unterwegs fütterten wir unsere Schwanenfamilie, wobei die "Kleinen" schon ganz schöne Brocken sind, die zwischen jedem Bissen laut fauchten. Man greift das Paddel schon fester, wenn das Boot von 6 Schwänen regelrecht eingezwängt wird. Als das Brot verteilt war und wir weiter wollten, sahen wir am Ufer schrecklich viele Menschen stehen, die fast alle am Fotografieren, bzw. Filmen waren...

 

 

 

Zu Zweit

Wir versprochen hier noch einige Eindrücke vom Fahren zu zweit:











Der Verkauf

Was soll ich sagen, zu zweit bevorzugten wir stets die Amadahy, da sie ein viel entspannteres und souveräneres Fahren ermöglichte. Zum Kringeln stellte sich aber auch heraus, dass sie bei weitem nicht die Anforderungen als Solo erfüllen konnte. Sie war nicht wendig genug. Wegen dem zu flachen Rocker verkürzte sich die Wasserlinie beim Kanten zu wenig. Das Resultat war, dass ich kaum mit ihr fuhr. Also sollte sie im folgenden Jahr doch schon wieder verkauft werden. Man fand schnell einen Kanuten mit ernsthaften Absichten und vereinbarte eine Probefahrt auf der Lahn im ruhigen Oberwasser der "ahlen" Schleuse...

Sie kam wehmütig auf den Dachgepäckträger, mir war schon jetzt klar: Hat er sie erst mal live gesehen und gefahren, wird er sie auch haben wollen....




Sie wurde für die Solofahrt hergerichtet...



und es kam, wie es kommen musste. Ich wünsche Ihr jederzeit eine gute Fahrt und ausreichend Wsser unter dem Kiel.


Nachtrag: Der (Um-) Bau

Für die auch am Bau eines solchen Leistenkanus Interessierten. (Der nachfolgende Film, sowie die Bilder sind copyright by GabrielloArt.)

Die Ayita erblickte das Licht der Welt in einem ursprünglich anderen Design. Gabriels Film von der Kiellegung bis zur Fertigstellung:



Anschließend fuhr er das Boot eine zeitlang, entschloß sich dann aber dazu, einen Solocanadier für sich zu bauen, die schon oben gezeigte "Blue Dreamer", basierend auf einem Prospector Riss. Er entschied sich auch dazu, das Kanu vor dem Verkauf noch einmal fein aufzuarbeiten und ihm ein ganz natürliches Holzdesign zu geben.

Dazu entfernte er die obere Gewebelage, schliff und beizte das Holz, bevor er es neu mit Glasfaser überzog und lackierte.









Etwas Werbung für meinen Holzkünstler:

Gabriel baut Euch gerne ein Kanu nach Wunsch, nach beliegem Riss und in jedem gewünschten Design, mit hübschen Intarsien oder Schnitzereien und das zu Preisen, zu denen man sonst nur Massenware oder ein simples Royalex-Kanu kaufen kann:





GabrielloArt

Gabriel Brylkowski